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Handelübliches-Gebäck-Transfett

Pommes, Gebäck, Popcorn, Chips, Blätterteig, Fast Food und  Fertiggerichte. Fast überall in industriell gefertigten Lebensmitteln sind Transfette enthalten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat beschlossen, dass innerhalb der nächsten drei Jahre ungesättigte Fettsäuren aus den Nahrungsmitteln verschwinden müssen, da sie die Gesundheit gefährden.

FDA-Verbot mit Hintertür
Ungesättigte Fettsäuren stehen schon länger im Verdacht die Gesundheit zu gefährden. Schon lange fordern Gesundheitsexperten ein Verbot von diesen Transfetten. Jetzt hat die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA reagiert und ein Verbot ausgesprochen das innerhalb der nächsten drei Jahre vollends umgesetzt werden muss. Die FDA erwartet, dass dadurch jährlich tausende Herzattacken vermieden und die Anzahl der koronaren Herzerkrankungen reduziert werden kann. Ungesättigte Fettsäuren können „im Allgemeinen nicht als sicher eingestuft werden“ teilte die Behörde mit, die sich schon länger mit diesem Thema beschäftigt. Seit 2006 müssen Lebensmittelproduzenten den Anteil von Transfetten auf ihren Produkten deklarieren. Das brachte schon einen Rückgang des Verzehrs von Transfetten. Doch „der derzeitige Verzehr bleibt ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit“. Die beim Härten von Pflanzenöl entstehen Transfette sind nicht als „grundsätzlich sicherere“ Bestandteile für Lebensmittel zu betrachten, erklärt die FDA 2013.

Einzelne US-Bundesstaaten und Städte wie Kalifornien und New York haben Transfette industrieller Herkunft bereits verboten. Die FDA prüft jetzt wie schnell die Nahrungsmittelproduzenten die Transfette aus ihren Produkten entfernen können. Verbraucher und Vertreter der Industrie können die nächsten 60 Tage ihre Meinung abgeben. „Das Vorgehen der FDA gegen diese bedeutende Quelle künstlicher Transfette zeigt das Engagement der Behörde für die Herzgesundheit aller Amerikaner“ erklärte FDA-Chef Stephan Ostroff. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wies Anfang des Jahres darauf hin, dass weltweit zwei Millionen Tote durch ungesunde Lebensweise zu verzeichnen sind. Doch wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Mit Zustimmung der FDA wird in Ausnahmefällen die Verwendung von industriell entstandenen Transfetten in Nahrungsmittel erlaubt sein. So bleibt, wie so oft, eine Hintertür für die Nahrungsmittelindustrie vorhanden.

Was sind Transfettsäuren?
Es wird zwischen zwei Arten von Transfettsäuren unterschieden, denen aus tierischer und denen aus industrieller Herkunft. Tierische Transfettsäuren, wie sie in den Pansen von Wiederkäuern aufzufinden sind, entstehen durch Mikroorganismen und stellen keine Gefährdung der Gesundheit dar. Daher sind die in der Milch enthalten tierischen Transfette als unbedenklich einzustufen.

Durch den Vorgang der Hydrierung werden flüssige Öle in schmierfähige und harte Fette wie Margarine, Backfette oder Streichfette verwandelt, die dann vielseitig in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt werden. Eine verdrehte Molekülgeometrie wie sie industriell entstandene Transfettsäuren aufweisen, gibt es nirgends in der Natur zu finden. Sie entstehen auch beim übermäßigen erhitzen von Ölen wie beim Braten oder Frittieren. Diese Transfettsäuren weisen eine Reihe an gesundheitsschädigenden Auswirkungen auf.

Sie stehen im Verdacht das so genannte „böse“ LDL-Cholesterin zu erhöhen und das „gute“ HDL-Cholesterin im Blut zu senken. Somit fördern sie die Entstehung von Arteriosklerose und erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen. Studien ergaben, dass Transfette industrieller Herkunft mitverantwortlich sind für Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Adipositas. Sie ändern die Funktionsweise des Immunsystems, senken den Testosteronspiegel und begünstigen die Vermehrung von anormalem Sperma. Sie verändern die Insulinfunktion, die Funktionsweise der Fettzellen im Körper und behindern Leberenzyme, die für die Entgiftung notwendig sind. Zudem kommt es zu einer Erhöhung des Zusammenhaftens der Blutzellen und sie verändern die Beweglichkeit sowie Verhärtung der Zellmembranen, was eine Reduzierung der Zellfähigkeit zur Folge hat und dadurch die Zellmembran durchlässiger wird. Auch geringere Geburtsgewichte bei Babies werden den Transfetten nachgesagt, genau wie das Senken der Qualität von Muttermilch. Sogar Ungeborenen können Sie Schaden zufügen. Laut einer Studie aus Spanien aus dem Jahre 2011 können sie Depressionen auslösen.

Wo sind Transfette enthalten?
Sie sind enthalten in Pommes, Gebäck, Popcorn, Chips, Kuchen, Keksen, Blätterteig, Margarine, Fast Food, Fertiggerichten, Süßigkeiten und vielen anderen industriell gefertigten Lebensmitteln.

Wie viel Transfette darf man konsumieren?
Walter Vetter vom Institut für Lebensmittelchemie der Uni Hohenheim erklärt „Höchstens ein Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien sollte von Transfetten stammen“. „Bis zu 80 Prozent decken wir täglich bereits über Milchprodukte ab, weshalb es ratsam ist, daneben auf Lebensmittel zu verzichten, die Transfette enthalten“, so Vetter. Diese Angaben dienen eher als Richtwert und nicht als offizielle Höchstgrenze.

Richtlinie in anderen Ländern
Dänemark hat es vorgemacht. „Seit 2003 hat das Land eine gesetzliche Obergrenze von maximal zwei Prozent für industriell hergestellte Transfettsäuren im Fettanteil von Lebensmitteln vorgeschrieben“, sagte der Ernährungswissenschaftler Stefan Lorkowski. Andere Staaten folgten. Norwegen, Österreich, Schweiz, Ungarn und Island haben ebenfalls eine Höchstgrenze festgelegt.

Transfette in Deutschland
Doch in Deutschland sind wir keines Wegs geschützt von Transfettsäuren industrieller Herkunft. Über ein Verbot oder Höchstgrenzen wird auch nicht nachgedacht. Es sind bisher keine Regelungen in Planung. Eine Deklarationspflicht fehlt ebenfalls. Es müssen Transfette nur auf Lebensmittel angegeben werden die der Diät-Verordnung unterliegen, wie etwa Nahrung für Säuglinge. Die Hersteller können freiwillig Angaben auf den Produkten abdrucken, was aber nur selten passiert. Wenn die Industrie sich selbst regelt, geschiet dies selten zum Schutz des Verbrauchers oder dient seiner Aufklärung.

„Als Verbraucher muss ich darauf achten, ob unter den Inhaltsstoffen ‚gehärtete‘ oder ‚zum Teil gehärtete Fette‘ auftauchen“, erklärt Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Falls ja, weiß ich, dass Transfette enthalten sind, jedoch nicht in welcher Menge“, so die Ernährungswissenschaftlerin. Bei nicht verpackten Lebensmitteln wie Kuchen oder Gebäck kann der Verbraucher kaum herausfinden, ob Transfettsäuren im Nahrungsmittel enthalten sind.