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Die Meere ertrinken im Müll

269.000 Tonnen Plastik schwimmen im Meer und es ist kein Ende in Sicht. Die neuste, in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlichte Studie um den amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles ist die derzeit aktuellste und genaueste Studie über die Vermüllung der Meere. Die Prognosen dieses globale Problem zu beheben sind schlecht.

Durch die Suche nach dem verschollenen Flugzeug der Malaysian Air MH370 gelangte das Ausmaß der Verschmutzung der Meere eigentlich unbeabsichtigt ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit. Die ganze Welt bangte zunächst um das verschollene Flugzeug und später, nachdem der Absturz gewiss war, wollte die Welt wissen was passiert ist. Viele Nationen und Organisationen suchten nach der MH370 und es gab oft Hoffnung, dass endlich Teile des Wracks entdeckt wurden. Auf Satellitenbildern gab es immer wieder Orte im Ozean, die eine Ansammlung von Teilen zeigten. Nach jeder Bergung der vermeintlichen Trümmerteile war das Ergebnis, dass es sich lediglich um Müll handelte. Nicht ein einziges Teil war von der Maschine oder von den Passagieren dabei. Es waren unmengen Plastikabfälle, Fischereiausrüstung oder sonstiges Treibgut.

Für Umweltorganisationen und Experten war dies keine Überraschung, denn schon lange ist bekannt, dass die Ozeane im Müll ertrinken. Die Vermüllung der Meere ist flächendeckend, selbst an den entlegensten Orten findet sich Müll. Den größten Teil der Verschmutzung macht Plastik aus. Zahnbürsten, Plastiktüten, Flaschen, Kanister, Feuerzeuge, Handyteile und vieles anderes. "Jährlich werden etwa 280 Millionen Tonnen Kunststoff produziert", erklärt Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace Deutschland, gegenüber der Deutschen Welle. "Schätzungen zufolge gelangen 20 Prozent davon in die Meere."

Dieser Einschätzung schließen sich viele Experten an, doch wie viele Tonnen genau in den Ozeanen sind, weiß niemand genau. Auf der Oberfläche treibendes Plastik ist nur ein Bruchteil der Verschmutzung. Wenige Meter direkt unter der Oberfläche und auf dem Meeresgrund sind ebenfalls tonnenweise Plastik. "Das ist ein riesiges Problem. Allein in der Nordsee geht man davon aus, dass bis zu 300.000 Tonnen Plastikmüll den Meeresboden bedecken“, so Maack.

Nach Schätzungen sinken etwa 70 Prozent des Mülls auf den Grund. Den Weg zurück an Land schaffen rund 15 Prozent und hier zeigt sich schon die Tragweite der Problematik. Im Indischen Ozean und im Pazifik sind die Strände farbenreich wie Regenbögen, von buntem Müll gefärbt. Laut dem UN-Umweltprogramm Unep gelangen jährlich 6,4 Millionen Tonnen Müll in die Ozeane. Den größten Teil verursacht die Schifffahrt, die teils legal und teils illegal ihren Müll auf hoher See entsorgt. Danach kommen Haushalts- und Industrieabfälle, die über Flüsse in die Ozeane gelangen. Winde und Meeresströmungen verteilen den Müll über den ganzen Globus.

Die Studie um den amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles konnte jetzt detaillierter darlegen wie schlecht es um die Ozeane steht. Das Wissenschaftsteam hat Daten aus 24 Untersuchungen verwendet und selbst mehr als 1.500 Sammlungen und Beobachtungen weltweit auf den Meeren durchgeführt. Dazu gehörten unter anderem alle fünf subtropischen Meereswirbel, Küstengebiete vor Australien, den Golf von Bengalen und das Mittelmeer. Erstmals wurden zudem größere Plastikteile mit mehr als fünf Millimeter erfasst. Nach Berechnungen der gesamten Daten treiben mindestens 5,25 Billionen Plastikteile und -teilchen mit einem Gesamtgewicht von fast 269 000 Tonnen auf den Weltmeeren. Auffallend war, dass in Küstennähe größere Stücke, wie Flaschen, Tüten oder Styropor, häufiger zu finden waren. Der Grund hierfür sind die Meereswirbel, die wie ein Müllschredder die Plastikteile immer weiter zerkleinern und anschließend die kleinen Teile im Ozean verteilen. So finden sich die kleinsten Teile auch in den in den Gewässern am Nordpol.

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Die Untersuchungen im Zusammenhang der großen Teile an Plastikmüll mit den daraus entstehenden kleinen Teilen ergaben, dass die kleinen Teile von der Meeresoberfläche verschwinden, höchstwahrscheinlich absinken und in tiefere Regionen gelangen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Müllteppiche in den fünf subtropischen Meereswirbeln nicht die letzte Ruhestätte des umhertreibenden Plastikmülls sind", sagt Eriksen in der Fachzeitschrift "Plos One". Eine andere, im April veröffentlichte Studie in „Plos One“, untersuchte den Müll auf dem Meeresgrund vor Europa. Die Forscher fanden überall, von den Küstengebieten bis in die Tiefseegräben, Abfälle auf dem Grund. „Der Endeffekt des Mikroplastiks ist sein Einwirken auf den gesamten Lebensraum Meer“, sagt Eriksen.

Die Haltbarkeit von Plastik ist das größte Problem, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) und der Schutzorganisation "Ocean Conservancy" darlegt. Es dauert 350 bis 400 Jahre bis das sogenannte unvergängliche Plastik abgebaut ist. „Es wird biologisch kaum abgebaut. Selbst wenn ab sofort gar kein Plastik mehr produziert würde, würde uns das Problem weiter beschäftigen“, bestätigt Greenpeace Meeresbiologe Thilo Maack. Durch das kühle Wasser wird der ohnehin langsame Abbau durch Licht und Wärme zusätzlich gedrosselt.

Nach dem Unep und „Ocean Conservancy“ Bericht sind Tüten und Plastikflaschen am weitesten von allen Plastikabfällen verbreitet und machen in manchen Meeren 80 Prozent des Gesamtmülls aus. Rauchen schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch den Ozeanen nicht unwesentlich. Unter den 103 Millionen Stück untersuchten Müll waren rund 25 Millionen Zigarettenfilter und Zigaretten. „Der Ozean ist unser Lebenserhaltungssystem. Er liefert viel von dem Sauerstoff, den wir atmen, von der Nahrung, die wir essen, und das Klima, das wir zum Überleben brauchen. Dennoch bedroht Müll weiter seine Gesundheit“, sagt die Ocean-Conservancy-Präsidentin Vikki Spruill.

Die Auswirkungen der Vermüllung sind vielfältig. Insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel sind zunehmend gefährdet. Sie sterben entweder durch das fressen des Mülls oder verfangen sich darin. Zudem reichern sich giftige Substanzen an oder invasive Arten Verbreiten sich stärker. Für die Tierwelt stellt das Mikroplastik die größte Gefährdung dar, da sie mit Plankton verwechselt werden. „Sogar in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, konnte man schon kleine Plastikteilchen nachweisen. An manchen Stellen befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meereswasser und auch das Plankton selbst reichert feinste Plastikteilchen in sich an“, erklärt Stephan Lutter, WWF-Experte für Meeresschutz.

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Neben den Planktonfressenden Meeresbewohnern sind Vögel gefährdet. Immer mehr untersuchte tote Vögel haben Kunststoffteile im Magen. Sie ersticken, erleiden eine tödliche Verstopfung oder verhungern qualvoll mit vollem Magen. Dass die Vermüllung der Meere damit zusammenhängt zeigen die Mageninhalte von toten Eissturmvögeln. Der Hochseevogel sucht seine Nahrung ausschließlich im Meer. Bei einer Untersuchung fanden Forscher in 93 Prozent der Vögel Plastikteile im Magen mit einem Durchschnitt von 27 Teilen pro Vogel. Die Tage für den Eissturmvogel sind gezählt, denn solche Zahlen geben wenig Hoffnung auf ein fortbestehen der Art. Seevögel an sich fressen gerne was auf der Oberfläche schwimmt. "Oftmals fressen sie Plastikmüll wie Schraubverschlüsse, Reste von Zahnbürsten oder Feuerzeuge. Dieses Plastik wird auch an die Jungvögel verfüttert, die dann mit vollem Magen verhungern und verdursten“, sagt Thilo Maack.

Ein Lebewesen, das sich eigentlich durch ein langes Leben auszeichnet und schon jetzt zu den bedrohten Tierarten gehört, wird durch den Plastikmüll zusätzlich dezimiert. Die Lederschildkröte ist mit Vorliebe Quallen. Das Reptil verwechselt treibende Plastiktüten mit ihrer Leibspeise. Einmal gefressen, blockieren die unverdaulichen Einkaufstüten die Magenpassage und die Tiere verenden elendig. Selbst in einem am schottischen Strand gefundenen Zwergwahl wurden 800 Kilogramm Plastik gefunden. Im Müll verfangen können sich alle Lebewesen, egal ob Säuger, Fische, Vögel oder Weich- und Krustentiere. „Ein trauriger Klassiker aus der Nordsee sind Seevögel, die sich in den Plastikringen von Sixpacks verheddert haben“, erzählt Stephan Lutter, WWF Experte für Meeresschutz. Ein weiteres Problem sind sogenannte Geisternetze. Die verlorenen oder illegal entsorgten Fischernetze, fischen sozusagen ewig weiter. Wenn sie sich in Riffen verankern, zerstören sie, neben dem Töten der Meereslebewesen, zusätzlich die Riffstruktur.

1Das ökologische Desaster trifft am Ende auch den Menschen. Die Mikropartikel gelangen in so ziemlich alle Meerestiere, die auch auf unserem Teller landen. So gelangt der Müll der Ozeane auch in den menschlichen Körper. Die Konsequenzen daraus sind noch unerforscht, doch unbestritten enthält Plastik diverse Giftstoffe wie Weichmacher oder Flammschutzmittel. „Vor allem in Elektronikteilen sollen Flammschutzmittel die Entzündbarkeit senken. Wenn Plastikteilchen von Meerestieren aufgenommen werden, wandern die Giftstoffe letztlich ins Fettgewebe. Sie sind fettlöslich und schwer abbaubar, deshalb reichern sie sich dort an. Solche Umweltgifte können wie Hormone wirken, krebserregend sein und die Fruchtbarkeit schädigen“, erklärt Stephan Lutter. Neben den Giftstoffen im Plastik sammeln sich auf der Oberfläche stetig mehr Umweltgifte an, da die schwimmenden Plastikteppiche wie ein Magnet wirken. Diese Umweltgifte reichern sich in den Geweben der Meeresbewohner an, die wir wiederum verzehren.

Die größte Ansammlung von Meeresmüll ist in einem Strudel im Nordpazifik und wächst seit Jahrzehnten weiter. Der „Great Pacific Garbage Patch“ ist mittlerweile so groß wie Mitteleuropa. „Das ist bei weitem nicht der einzige Müllteppich, derartige Strudel gibt es in allen Ozeanen,“ betont Stephan Lutter. „Im Nordatlantik hat man zum Beispiel auch einen Müllstrudel entdeckt. Und bei uns in Nord- und Ostsee treibt ebenfalls jede Menge Müll, obwohl das eigentlich Sondergebiete sind. Da darf eigentlich gar kein Müll von Schiffen über Bord gehen.“

3Genaugenommen ist die Bezeichnung „Great Pacific Garbage Patch“ nicht zutreffend. „Bei dem Begriff ‚Great Pacific Garbage Patch‘ denkt man an eine zusammenhängende Müllfläche, eine regelrechte Müll-Insel, die man schon aus dem Weltraum mit Hilfe von Satellitenbildern erkennen kann“, sagt Wendy Watson-Wright, Geschäftsführerin bei der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC), einer zwischenstaatlichen Organisation, die Teil der UNESCO ist. Das stimmt so nicht, denn es handelt sich beim „Garbage Patch“ eigentlich um eine Ansammlung kleiner schwimmender Partikel, was die Beseitigung des Mülls deutlich erschwert. „Es wäre vermutlich einfacher, eine durchgehende, sichtbare Müllfläche zu reinigen als diese 'Suppe' aus Plastik-Teilen“, so Watson-Wright. Zudem sei das Einzugsgebiet riesig „und atmosphärische Bedingungen wie Meeresströmungen unterstützen die hohe Müllkonzentration zusätzlich“.

Eine komplette Reinigung der Ozeane ist schier unmöglich. Allein die zusammenhängenden Ansammlungen wie in den Wirbeln ist eine nicht zu bewältigende Herausforderung. Selbst an Land wäre die Beseitigung von Müll auf einer Fläche in der Größe Zentraleuropas schon eine logistische Höchstleistung. So eine Fläche mit losen herumtreibenden und schwimmenden Teilen zu reinigen beinahe unmöglich. Auch wenn große Plastikteile, abgesehen von den Kosten, rausgefischt werden würden, bleibt das Problem der Zersetzung. „Plastik zerfällt in immer kleinere Stücke, die irgendwann nicht größer als die im Meer treibenden Planktonorganismen sind. Filtert man dieses Plastik aus dem Meer, filtert man gleichzeitig das Plankton“, so Thilo Maack.

„Mariner Müll ist symptomatisch für eine breiteres Problem, nämlich für den verschwenderischen Gebrauch und das anhaltend schlechte Management natürlicher Ressourcen“, so Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner. Auch wenn es schmerzt, jeder einzelne ist Mitschuld an diesem Problem. Würde jeder mehr recyceln, mehr Plastikmüll vermeiden und würde insgesamt ein besseres Abfallmanagement betrieben, könnte die Vermüllung der Meere erheblich reduziert werden. „Bei manchem Abfall wie Frischhaltefolie und Einweg-Plastiktüten, die das marine Leben ersticken, sollte die Herstellung verboten werden oder zügig auslaufen. Es gibt einfach keinerlei Rechtfertigung mehr, sie irgendwo noch zu produzieren“, so Steiner.

Das Problem kann, wenn überhaupt, nur durch drastische Maßnahmen, neue Regelungen und Gesetze sowie grenzübergreifende Kooperation und Zusammenarbeit aller Beteiligten, gelöst werden. Es sind Wirtschaft, Industrie, Bürger und die Politik gleichsam nötig, um diese Katastrophe einzudämmen, sowohl regional als auch global. Was jeder einzelne machen kann sollte klar sein. Plastiktüten und Plastikverpackungen möglichst vermeiden, Nachfüllverpackungen kaufen oder bewusst recyceln. All das ist nicht schwer im Alltag umzusetzen und macht viel aus.

Die Politik könnte den Verbraucher beim umweltbewussten Verhalten „unterstützen“, indem er Pfand oder Steuern auf Plastiktüten erhebt, damit zweimal nachgedacht wird, ob sie den Nutzen wert sind. Die Industrie, allen voran die Verpackungsindustrie, sollte mehr an schnell abbaubaren oder besser zu recycelnden Stoffen forschen. Die Politik könnte strengere Vorschriften für umweltfreundliche Verpackungen umsetzen. Giftige Zusätze müssten verboten oder zumindest stark eingeschränkt werden. Das Recycling muss für jeden attraktiver werden. „Außerdem müssen die Hersteller viel stärker in die Pflicht genommen werden. Wer Plastik produziert, muss auch an den Entsorgungs- oder besser Recyclingsprozessen beteiligt sein“ fordert Maack. Watson-Wright fordert ein nachhaltiges Entsorgungsmanagement, damit „Kunststoff und andere schädliche Materialien durch entsprechende Abfallmanagementsysteme geleitet werden und gar nicht erst ins Meer gelangen“.

Schiffsmüll, ein großer Verursacher des Problems, darf nicht mehr in den Ozeanen entsorgt werden. Bestehende, internationale Verpflichtungen müssen Konsequent durchgesetzt und die Rechtsprechung verbessert werden. Es kann ja nicht sein, dass einem Bürger wegen zu schnellem Fahren oder Alkoholkonsum der Führerschein entzogen wird und ein Kapitän bei illegaler Müllentsorgung nicht fürchten muss seine Lizenz zu verlieren. Beide handeln fahrlässig, gefährden die Gesellschaft und sind Abhängig von den jeweiligen Dokumenten zum Führen eines Autos bzw. Schiffes, um die Lebengrundlage für sich und die Familie zu sichern. Entzug der Kapitänslizenz ist an sich nichts andere als ein Führerscheinentzug. Illegale Schiffsmüllentsorgungen müssen einfach viel härter bestraft werden, genauso wie illegal entsorgte Fischernetze. Natürlich muss dafür den Schiffen die Entsorgung in den Häfen vereinfacht werden.

Es ließe sich das Spiel sogar umdrehen. Viele Fischer kämpfen sowieso um ihre Existenz. Der WWF fordert international koordinierte „Fishing for litter“–Initiativen, eine Strategie zur Bergung von Meeresmüll. Die Fischer sollten die Ausrüstung und Belohnung erhalten, wenn sie den mitgefischten Müll nicht wieder ins Meer werfen, sondern an Land entsorgen. Zudem könnten sie zusätzlich Geld verdienen, wenn sie gezielt Müll einsammeln. Es gibt professionelle Methoden den Müll aus dem Meer zu bekommen. Neben den Kosten spielen die Aspekte von ungewollt mitgefischten Meeresbewohnern und der CO2-Ausstoß der Schiffe eine Rolle. Einige Forschungsprojekte untersuchen die Machbarkeit verschiedener Bergungssysteme und wegen das Pro und Contra ab.

Für internationales Medieninteresse sorgte der 19-jährige Niederländer Boyan Slat mit seinem Projekt „The Ocean Cleanup“. Vor zwei Jahren stellte er das Konzept bei einer TedX-Konferenz in Delft vor und begeisterte sogar Fachleute. Seitdem konnte er etwa 100 Helfer für sein Projekt begeistern, unter Ihnen Ingenieure und Wissenschaftler. Er sammelte über Crowd Founding 80.000 Dollar und ließ eine 528 Seiten lange Machbarkeitsstudie erstellen. „Die Studie bestätigt, dass das Konzept eine machbare Methode ist, um fast die Hälfte des gesamten Plastiks der Großen Pazifischen Müllhalde zu entfernen“, ist die Aussage der Machbarkeitsstudie. Seine gigantische Filteranlage für Ozeane, das „Ocean Cleanup Array“ ist eine vollautomatisierte Sammelplattform mit zwei 50 Kilometer langen schwimmenden Auslegern. Diese halten eine mit Gewichten beschwerte Plane, die bis drei Meter Tiefe reicht. Dadurch könnten Fische darunter hindurchschwimmen und selbst Plankton würde nur gering beeinflusst.

4"Warum sollten wir uns durch die Ozeane bewegen, wenn die Ozeane sich doch durch uns bewegen könnten? Wieso Energie damit verschwenden, dem Plastik hinterherzujagen, wenn er von selbst zu uns kommt?", so der 19-jährige. Für einen Prototyp wollte er zwei Millionen Dollar in 100 Tagen einsammeln und bereits nach einer Woche waren schon 184.000 Dollar eingenommen. Nach 100 Tagen hat er 2.154.282 Dollar von 38.615 Menschen aus 160 Nationen eingenommen. Mit seiner gegründeten „Ocean Cleanup Foundation“ will er sogar Geld für das gesamte Projekt sammeln. Nach Berechnungen von Slat hat der Müll einen Wert von 375 Millionen Euro, mehr als seine Schwimminseln kosten würden. Trotz aller Begeisterung gibt es Zweifler. Es wird sich zeigen, ob so ein großer Filter den Kräften der Meere standhalten kann. Uns allen sei das zu wünschen.

Bisher sind es vor allem Non-Profit Organisationen, Forschungseinrichtungen, Privatpersonen oder Umweltorganisationen die sich ernsthaft mit dem Problem beschäftigen. Staatliche Behörden sind nur wenige aktiv. Ein positives Beispiel ist die „National Oceanic and Atmospheric Administration“, die seit 2006 das „marine debris“ Programm eingeführt hat, welches an den Auswirkungen des Meeresmülls forscht, aber vor allem versucht das Verhalten in der Öffentlichkeit durch Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsinitiativen zu ändern. Die Mitarbeiter, die überall in den USA stationiert sind, versuchen zudem in Zusammenarbeit mit staatlichen und lokalen Behörden, Nicht-Regierungsorganisationen, Wissenschaft und Industrie Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen.

Die internationale Staatengemeinschaft zeigt wenig Interesse, wenn überhaupt lediglich nationales Interesse an den eigenen Küsten und Gewässern. „Was kümmert mich der Dreck der anderen“, scheint hier das Motto zu lauten. Kein Wunder, denn die gigantischen Plastikwirbel schwimmen in internationalen Gewässern und bequemer Weise außerhalb der Verantwortung. „Es gibt keine Gesetze, keine Regierung ist richtig zuständig, daher gab es bisher keinen Druck, das Meer zu säubern. Die Leute wissen nicht, was sich da draußen ansammelt“, sagt Umweltschützer Doug Woodring, Leiter einer von der UNO unterstützte Expedition über Müllwirbel.