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Sprühflasche-Glyphosat -verwelkte-Blumen-

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Glyphosat als krebserregend einstuft, verbannten Schweizer Supermärkte Glyphosat aus ihren Regalen. Nun schließen sich deutsche Unternehmen an und kündigten ein Verkaufs-Stopp für alle Glyphosat-Produkte an.

Die negativen und gesundheitsgefährdenden Eigenschaften des Herbizids Roundup von Monsanto wurden schon so oft von den Medien aufgegriffen, dass wohl langsam ein Umdenken im deutschen Handel stattfindet. Viele Einzelhandelsläden wollen das giftige und gefährliche Herbizid nicht mehr anbieten. Geschäfte wie Hornbach, Obi und Bauhaus wollen sich dem nicht anschließen.

Deutsche Unternehmen wie Gartencenter Augsburg, Gartencenter Holland, Pflanzen-Kölle, Globus Baumarkt und Knauber haben schriftlich verkünden lassen, nicht mehr Glyphosat-Produkte anzubieten und zu verkaufen. Alle Toom-Baumärkte in Deutschland werden bis 30. September dieses Jahres alle Produkte aus den Regalen verbannen, Seit dem 11. Mai ist es für die Filialen nicht mehr möglich diese Produkte nachzubestellen. Seit Ende 2013 stellt Toom-Baumarkt sein Sortiment um und hat über 60 Prozent der glyphosathaltigen Produkte aus dem Angebot entfernt. Im Gegensatz werden umweltverträglichere Produkte als Alternative Angeboten.

In einem Statement des Bonner Familienunternehmen Knauber heißt es:
„Knauber hat sich für die komplette Auslistung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel entschieden. Damit reagiert Knauber auf die Neueinstufung des Herbizid-Wirkstoffs durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“. Mit sofortiger Wirkung nimmt Knauber vorsorglich alle glyphosathaltigen Unkrautbekämpfungsmittel vollständig aus dem Verkauf. Knauber hat sich schon in seinem Leitbild zu verantwortungsvollem Handeln gegenüber Mensch und Umwelt bekannt. Der Verzicht auf den Verkauf von Glyphosat auf Basis der Neueinstufung ist deshalb ein konsequenter Schritt.“

Naturschutzbund NABU erklärt: „Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid, von dem in Deutschland weiterhin 51 verschiedene Anwendungen für den Haus- und Kleingartenbereich zulässig sind“. Der Bundesgeschäftsführer von NABU, Leif Miller „Wir hoffen, dass jetzt endlich auch die anderen Baumärkte wie Bauhaus, Hornbach oder Obi ihrer Verantwortung gerecht werden und Glyphosat möglichst rasch aus den Regalen entfernen“. Neulich forderte die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) Länder den Bund auf, den Verkauf von Glyphosat an Privatpersonen zu untersagen. Der Naturschutzbund NABU verlangt eine umfangreiche Risikoprüfung des Wirkstoffs und eine Aussetzung der Zulassung für Glyphosat.

Bei der Verbraucherschutzministerkonferenz in Baden-Württemberg wurde gefordert, den Privatverkauf von Glyphosat zu stoppen. „Die Gefahr einer unsachgemäßen Anwendung in Haus- und Kleingärten ist einfach zu groß. Ohne die notwendige Sachkunde können sich Anwenderinnen und Anwender selbst Schaden zuzufügen. Besonders besorgniserregend ist, dass spielende Kinder oder Haustiere in Kontakt mit Glyphosat kommen können“, so Verbraucherminister Alexander Bonde.

Während die WHO das Pflanzenschutzmittel als karzinogen eingestuft hat, ist es in Deutschland zunächst noch erlaubt. Die Begründet das Bundesinstitut für Risikobewertung mit der Mitteilung 016/2015 vom 8. Juni 2015 folgendermaßen begründet: „Der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat ist von den für die gesundheitliche Bewertung zuständigen nationalen, europäischen und anderen internationalen Institutionen einschließlich des WHO/FAO Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) nach Prüfung aller vorliegenden Studien als nicht krebserzeugend bewertet worden. Auf einer Sitzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO im März 2015 in Lyon haben dort versammelte Experten Glyphosat auf Basis der ihnen zur Verfügung stehenden Studien als Kanzerogen Gruppe 2A, d. h. als wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Diese Einstufung wurde in einem kurzen Bericht in der Zeitschrift „Lancet“ am 20. März 2015 veröffentlicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommentiert in dieser Mitteilung diese Einstufung durch die IARC auf Basis des veröffentlichten Kurzberichts, da Deutschland als Berichterstatter für den Wirkstoff Glyphosat in der Europäischen Union (EU) fungiert. Die Bewertung der IARC ist voraussichtlich erst wissenschaftlich nachvollziehbar, wenn der ausführliche Bericht mit den Begründungen zu den Schlussfolgerungen – nach Ankündigung der IARC vom 29. Mai 2015 – bereits vorzeitig im Juli 2015 veröffentlicht wird. Da dem BfR und sämtlichen anderen Bewertungsbehörden weltweit dieser Bericht derzeit nicht vorliegt, können die Begründungen zu den Schlussfolgerungen der IARC noch nicht umfassend geprüft werden. Die WHO hat kürzlich eine „ad hoc expert task force“ mit der Aufgabe eingerichtet, die Gründe für die unterschiedliche Bewertung der Daten durch die IARC und das JMPR aufzuklären. Es handelt sich dabei um ein wissenschaftliches Divergenzverfahren innerhalb der WHO.“

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff und gehört zur chemischen Gruppe der Phosphonate. Seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kommt es weltweit in der konventionellen Landwirtschaft zum Einsatz. Aufgrund seiner Wirkungsweise töten glyphosathaltige Produkte alle Arten von unerwünschten Pflanzen ab, weshalb sie als Breitbandherbizid bezeichnet werden. Es wird sehr oft zur Vorsaat-Behandlung, Beschleunigung der Erntereife von Nutzpflanzen wie Kartoffeln oder Getreide sowie als Unkrautvernichter im Acker-, Wein- und Obstbau eingesetzt. Kommt eine Pflanze mit glyphosathaltigem Herbizid in Berührung, wird über die grünen Pflanzenteile der Wirkstoff aufgenommen.

Dieser blockt die Produktion bestimmter Aminosäuren welche die Pflanze für das Wachstum braucht. Infolge dessen stirbt die Pflanze. Etwa 5.000 Tonnen Glyphosat kommen alleine in Deutschland jedes Jahr zum Einsatz. Das Angebot an Produkten ist groß. Alleine in Deutschland gibt es über 300 verschiedene Glyphosat-Produkte von über 40 verschiedenen Herstellern. Oftmals wissen private Pflanzen- und Gartenliebhaber was für einen gefährlichen Stoff sie einsetzen. Daher sollte die Politik selbst bei einem starken Verdacht von Krebsgefährdung beziehungsweise der vorläufigen Einstufung des WHO mehr getan werden. Gut das einige Märkte konsequent sind und diese Produkte aus den Regalen nehmen.