Maiskolben-mit-GM-Aufdruck

Der Welthunger nimmt immer weiter zu und Hilfsorganisationen gibt es wie Sand am Meer. Hilfsprojekte sollten in erster Linie das Leid mindern und Menschen helfen. Doch manche Hilfsprojekte haben primär nur das Profitstreben im Auge. Es wird bewusst mehr Schaden angerichtet und die ärmsten in Abhängigkeit getrieben. So wie in dem von Monsanto ausgeführten und der Gates Stiftung finanzierten WEMA-Projekt

Zuletzt im Mai fand die weltweite Demonstration “March against Monsanto” in über 400 Städten in Afrika, Amerika und Europa statt. Überall auf dem Globus wehren sich die Menschen gegen den amerikanischen Großkonzern, dessen Ziel es ist Patentrechte auf alle möglichen Lebensmittel zu erhalten und sein genetisch verändertes Saatgut mit Knebelverträgen in der Agrarwirtschaft zu etablieren. Die Verflechtungen des Konzerns sind beängstigend und verheißen schlechtes für die Zukunft. Der Verzehr von Monsantos genetisch veränderten Lebensmitteln führt wissenschaftlich nachgewiesen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden wie Unfruchtbarkeit, Krebs und Missbildungen bei Neugeborenen. Doch das Wohl der Menschen liegt nicht im Interesse des Konzerns. Es gut nur um mehr Profit sowie um die Marktherrschaft im Lebensmittelsektor. Die Kontrolle über alle Lebensmittel ist das Ziel und der Konzern ist kaum noch aufzuhalten. Inwieweit Monsanto humanistisch denkt, hat der Konzern schon zu Zeiten des Vietnamkriegs mit dem Produkt „Agent Orange“ gezeigt.

Kürzlich wurde von Präsident Barack Obama und dem U.S. Kongress ein Gesetz verabschiedet, welches es dem Konzern ermöglicht, sich über gerichtlich angeordnete Verkaufsstopps ihres Saatgutes hinwegzusetzen. Die zuständige Behörde für den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den USA, die Food and Drug Administration (FDA), besteht aus einem Großteil aus ehemaligen Führungskräften des Konzerns. Dieser höchst bedenkliche Interessenkonflikt erklärt, warum es an staatlich finanzierten Studien zu gesundheitlichen Langzeiteffekten von genetisch veränderten Lebensmitteln fehlt. Zudem wird der Konzern seit Jahren staatlich subventioniert. Studien ergaben das Monsantos verwendete “Neonikotinoiden Pestiziden” Ursache des Weltweiten Bienensterbens ist. Monsanto ist weltweit aktiv und betreibt Lobbyarbeit in allen Regionen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich Glyphosat als krebserregend eingestuft. Glyphosat ist der Hauptbestandteil des von Monsanto vertriebenen Breitbandherbizids „Round Up“. Das toxische Pflanzenschutzmittel ist daraufhin in mehreren Ländern verboten worden. In einigen Ländern wie Deutschland und der Schweiz haben sich Kaufhäuser entschieden alle Glyphosat-Produkte aus den Regalen zu nehmen und den Verkauf zu stoppen.

In der besorgniserregende Studie “Profiting from the Climate Crisis undermining resilience in Africa“ des African Centre for Biodiversity (ACB) und Brot für die Welt über die Auswirkungen des „Water Efficient Maize for Africa“-Projekt, zeigt die eiskalte heransgehensweise des Konzerns. Das von Monsanto ausgeführte und der Bill & Melinda Gates Stiftung finanzierte WEMA-Projekt hat das offizielle Ziel, mit dem Anbau von gentechnisch verändertem dürreresistenten Mais in wasserarmen Gebieten Afrikas, den Hunger der Menschen in diesen Regionen zu bekämpfen.

Doch das Ergebnis ist ein ganz anderes. Die Kleinbauern die Monsantos gentechnisch verändertes Saatgut aussähen, werden mittels Knebelverträgen in die finanzielle Abhängigkeit und den Ruin getrieben. Viele von ihnen können sich die benötigten Pestizide von Monsanto nicht leisten. Zudem liefert das von Monsanto hilfeversprechende Saatgut viel weniger Erträge. Zurecht bezweifeln Kritiker die „humanitären“ Absichten von Monsanto und werfen dem Konzern vor, dass er nur Interesse an einem Zugang zum afrikanischen Saatgutmarkt hat und nicht daran interessiert ist den Menschen in dürregeplagten Regionen Afrikas nachhaltige Alternativen der Nahrungsmittelbeschaffung zu ermöglichen.

Besonders die Gebiete südlich der Sahara werden die nächsten Jahre die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommen. Es trifft besonders die Kleinbauern die Hirse und Mais anbauen. Afrikas Landwirtschaft steht am Scheideweg. Einerseits kann eine nachhaltige, ökologische und regional angepasste Landwirtschaft betrieben werden, die auch die Bedürfnisse der Kleinbauern berücksichtigt oder eine Landwirtschaft die auf Hybrid- oder Gentech-Sorten setzt. Diese benötigen Pestizide und Dünger, die kostenintensiv sind und auf umweltschädliche Agrar-Techniken basiert.

Von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (UNFAO) hat unter dem Sammelbegriff „Climate Smart Agriculture“ (klima-freundliche Landwirtschaft, CSA) zunächst viele der herkömmlichen Konzepte entwickelt, die dann von den Regierungen des Nordens, der Weltbank und multinationalen Agrarkonzernen vorangetrieben worden sind. Das Paradeprojekt „Water Efficient Maize for Africa“ des CSA verdeutlicht die wahren Fortschritte und Absichten der Problematik in Afrika. Das Hybrid-Sorten und grüne Gentechnik nicht die Lösung liefern kann, wurde bereits in den USA bewiesen.

Nach 17 Jahren Freilandversuchen hat es nur eine dürretolerante gentechnisch veränderte Maissorte bis zur Marktreife geschafft. Selbst unter moderaten Dürrebedingungen bietet diese Maissorte bestenfalls einen Ertragsgewinn von nur einem Prozent. Diese Steigerung wäre auch mit traditionellen Zuchtmethoden umsetzbar. Dennoch setzt das WEMA-Projekt auf das Monasantos insektenresistente und gentechnisch veränderte MON810 Maissaatgut. 15 Jahre nach der Einführung von gentechnisch verändertem Mais in Südafrika ist das African Centre for Biosafety (ACB) letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass es sich dabei um ein „Totalversagen“ handelt, da MON810 nur ein Gift produziert das Insekten tötet.

MON810 enthält ein Bakteriengen das zur Herstellung von Bt-Toxinen (Bacillus thuringiensis) dient. Doch seinen eigentlichen Zweck, nämlich Schädlinge zu töten um den Einsatz von Pestiziden zu vermeiden, erfüllt MON 810 nicht. Insekten haben sich an das Gift gewöhnt und Resistenzen gebildet. Monsantos Lösung für das Problem war MON8903, welches zwei Insektizide absondert. Es wird nicht lange dauern, bis Schädlinge ebenfalls dagegen resistent sind.

Das WEMA-Projekt unterstützt die Absichten der Agrochemie Konzerne auf dem afrikanischen Kontinent eine private Saatgutindustrie zu etablieren. Es sollen vor allem hybride Maissorten eingeführt und vertrieben werden. Da Hybride jedes Jahr neu gekauft werden müssen und zudem noch zur vollen Entfaltung seines Potentials auf externe Betriebsmittel wie Dünger angewiesen sind, schränkt das die Bauern in ihrer Flexibilität ein. Dies verursacht einen enormen Kostenfaktor, welcher bei nicht erreichen der versprochenen Erträge den Ruin bedeuten kannn. Es ist dieselbe Vorgehensweise wie in Indien, wo sich viele Kleinbauern das Leben nahmen, weil sie ihre gesamte Lebensgrundlage durch den Anbau von Monsanto Hybriden verloren haben. Sie konnten einfach nicht die benötigten teuren Pestizide und Zusatzprodukte von Monsanto bezahlen. Dort vergaben die Leute der Saat den Namen „suicide seed“. Als ob nichts aus der Vergangenheit gelernt wurde, empfiehlt das WEMA-Projekt den Einsatz von gentechnisch veränderten Saatgut, gestützt und angetrieben von den größten Agrochemie-Konzernen der Welt. Monsanto, Pioneer Hi-Bred, Limagrain und Syngenta sind schon jetzt in den Regionen der südlichen Sahara stark aktiv und bemühen sich hauptsächlich um die Etablierung von Hybrid Maissorten. Ein weiteres von der Gates-Stiftung finanziertes Saatzuchtprojekt, die „Drought-tolerant Maize for Africa“-Initiative (DTMA), hat über 160 Maissorten auf den Markt gebracht, davon sind mindestens 94 Sorten Hybride.

Ebenso das „Programm for Africa’s Seed Systems“ der industrie-dominierten „Alliance for a Green Revolution in Africa“ (AGRA-PASS), welche 118 neue Maisarten entwickelt hat. Das paradoxe daran ist, dass in Südafrika schon Maisüberschüsse erwirtschaftet werden. Dennoch geht jeder Vierte hungrig zu Bett. Eike Zaumseil, Referent für Klima und Landwirtschaft bei Brot für die Welt, erklärt: „Es ist zynisch, wie Kleinbauern und -bäuerinnen in die Abhängigkeit getrieben werden, während ihr eigentlicher Klimatrumpf, die traditionelle Sortenvielfalt, auf ihren Feldern, verlorengeht“.

Monsanto wirbt auf der Firmenwebseite, dass sie mit dem Mais Nahrung für über 21 Millionen Menschen bieten könnten. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Erträge bei extremer Trockenheit ebenfalls schlecht ausfallen. Mariam Mayet, die Direktorin des African Centre for Biodiversity findet das besonders besorgniserregend. „Wirklich beunruhigend ist die Tatsache, dass auch der in Südafrika spektakulär gescheiterte schädlingsresistente Monsanto-Mais (MON 810) in weiteren WEMA-Partnerländern auf den Markt gebracht werden soll“ so Mayet.

Da der Tausch von Saatgut in Afrika Tradition hat, entsteht hier ein weiteres Risiko zur landwirtschaftlichen Privatisierung. Durch den Zugang zu anderen Saatforschungszentren der Partnerländer in Afrika erhalte das WEMA-Projekt Zugang zu wertvollen Zuchtmaterial traditioneller Sorten. Diese werden in Labors weiterentwickelt und neue Patent für Monsanto ermöglichen. Geplant ist es auch das zukünftig die Züchtung, Produktion und Vermarktung von neuen Sorten hauptsächlichen von Privatfirmen betrieben werden soll. „Die kleinen afrikanischen Saatgutfirmen können bei der hochtechnisierten Produktion von Gentechnik-Saatgut nicht mithalten und werden früher oder später von Agrarmultis wie Monsanto geschluckt. Die erhalten damit immer mehr Einfluss auf den afrikanischen Markt“, so Mariam Mayet. Wikipedia gibt eigentlich eine gute Definition was die Aufgabe eines Hilfsprojektes wie WEMA sein sollte: ”Eine Hilfsorganisation ist eine Organisation mit der Aufgabe, Menschen oder Tieren zu helfen oder Sachwerte wie besonders schützenswerte Kulturgüter zu schützen.“

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