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PET-Müllberg

Lidl will mit seiner „Jede Flasche zählt“ Werbekampagne sein umweltfreundliches Image verbessern. Lidl bezieht sich auf die eigene „innovative Kreislaufflasche“. Was Lidl dem Verbraucher als umweltfreundlich verkaufen will, bezeichnet die Deutsche Umwelthilfe als Verbrauchertäuschung.

Mit seinem Recycling-System für Plastik-Getränkeflaschen will sich Lidl „grün“ zeigen. Einweg-Plastikflaschen stehen schon lange weltweit als besonders umweltfeindlich in der Kritik. Ihnen ist zum großen Teil die globale Umweltkatastrophe von der Vermüllung der Weltmeere anzukreiden. Zudem verbrauchen Plastikflaschen für die Herstellung viel Ressourcen, Rohstoffe und Energie. Lidl will mit der „innovativen Kreislaufflasche“ der Einweg-Plastikflasche ein umweltfreundliches Gesicht verpassen. Der Verbraucher soll sich nicht schuldig fühlen, wenn er sich seine Limonaden oder sein Wasser in den Einkaufswagen packt. Auf der Webseite von Lidl wird unter der Rubrik „Jede Flasche zählt“ der sechsstufige Kreislauf der Plastikflasche und der ökologische Nutzen dargestellt:

1. Alle LIDL zurückgegebenen PET-Wasser- und PET-Limonadenflaschen nutzen wir, um neue Pfandflaschen für unsere Eigenmarken Saskia und Freeway zu fertigen.

2. Die Pfandflaschen werden bereits im Automaten sortiert und gepresst und können dadurch platz- und ressourcenschonend transportiert werden.

3. Im Recyclingwerk werden die Flaschen von Etiketten und Verschlüssen befreit, nach Farben sortiert und dann gewaschen, zerkleinert und zu lebensmitteltauglichem PET-Regranulat verarbeitet.

4. Die Qualität des Granulats sichern wir durch strenge Kontrollen unabhängiger Prüfinstitute.

5. Aus dem gewonnen PET-Regranulat und neuem PET-Granulat fertigen wir die Rohlinge für neue Flaschen. Für diese werden durchschnittlich 55 Prozent Recyclingmaterial verwendet. Somit sparen wir über 50.000 Tonnen Co2 jährlich. Wir wollen diesen Anteil weiter erhöhen.

6. Im Abfüllwerk werden die Rohlinge erhitzt und zu neuen Flaschen aufgeblasen. Diese bekommen Etiketten und werden mit Getränken unserer Eigenmarke Saskia und Freeway befüllt. Und so treffen Sie sie dann wieder in der Lidl Filiale an.

Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist die Kampagne eine reine Verbrauchertäuschung. Die Kampagne sei scheinheilig und verlogen. Sie ist nicht weiter als ein Versuch von „greenwashing“. Diese Kampagne würde zu Unrecht als ein Beitrag zum Umweltschutz präsentiert. „Lidl täuscht seine Kunden mit der Behauptung, durch den Kauf von Einweg-Plastikflaschen die Umwelt zu entlasten. Dabei ist Lidl mit seiner Weigerung, Getränke in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen zu verkaufen, einer der Hauptverursacher für die klima- und umweltschädliche Plastikflaschen-Flut in Deutschland. Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 17 Milliarden Einweg-Plastikflaschen verkauft. Nach wenigen Minuten Gebrauch werden Plastikflaschen zu Müll und können in Flüssen, Seen und Meeren Jahrhunderte überdauern und diese Ökosysteme schädigen“, kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Der größte Teil der Einweg-Plastikflaschen besteht nach wie vor aus Neumaterial. Für deren Herstellung muss Rohöl eingesetzt werden. Dadurch belasten sie das Klima und verbrauchen eine wichtige, begrenzte Ressource. Zudem werden die Einweg-Flaschen im Vergleich zu Mehrwegflaschen über wesentlich größere Distanzen transportiert. Sie können in weniger Abfüllwerken befüllt und müssen teils bundesweit transportiert werden. Im Durchschnitt wird eine Einweg-Plastikflasche mit etwa 450 Kilometern fast doppelt so weit transportiert wie eine Mehrwegflasche mit rund 260 Kilometern. Die Co2 Menge über den ganzen Lebenszyklus ist bei einweg-Plastikflaschen doppelt so hoch wie bei Mehrwegflaschen. Sie sind nicht nur Ressourcenverbraucher, sondern auch Klimakiller. Selbst recycelte Plastikflaschen können allenfalls die Umweltauswirkungen kompensieren, nicht aber deutlich verringern.

„Lidl kommuniziert, dass ihre Einwegflaschen mit Recyclingmaterial im Vergleich zu anderen Einweg-Plastikflaschen CO2 in Höhe von 50.000 Tonnen pro Jahr einsparen. Dabei hätte Lidl darstellen müssen, wie hoch die CO2-Mehrbelastung ihrer Einweg-Recyclingflaschen gegenüber Getränken in Mehrwegflaschen ist. Unberücksichtigt bleiben bei den Lidl-Flaschen zudem die Umweltauswirkungen durch den Einsatz von 45 Prozent Neumaterial, die ständige Neuflaschenproduktion und deren Transport. Von einem autarken und geschlossenen Gesamtkreislauf kann zudem nicht die Rede sein, wenn für die Flaschenproduktion fast zur Hälfte Neumaterial eingesetzt wird“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. 
In Deutschland werden jährlich für die eingesetzten Einweg-Plastikflaschen 660.000 Rohöl benötigt und 11 Milliarden kWh verbraucht. Würden alle alkoholfreien Getränke nur in Mehrwegflaschen abgefüllt anstatt auch in Einweg-Plastikflaschen, würden 1,25 Millionen Tonnen Co2 eingespart.

„Das Recycling von Plastikflaschen wird vom Discounter Lidl in aufwendigen Werbefilmen als Öko-Innovation dargestellt und gefeiert. Dabei ist dies ein alter Hut, denn Mehrwegflaschen werden nach ihrem langen Produktleben bereits seit mehr als vierzig Jahren recycelt“, erklärt der ehemalige Staatssekretär und Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg Clemens Stroetmann. Bei Glasflaschen liegt die Recycling-Quote sogar bei 90 Prozent Altglas, nicht wie bei Lidl bei nur 55 Prozent Recycling-Material.

Zudem werden Mehrwegflaschen im Schnitt 50 mal wieder befüllt. Der Lebenszyklus einer Mehrwegflasche ist also schon um ein vielfaches höher, bei gerade Mal der Hälfte an Co2 Belastung von Einweg-Plastikflaschen. Ist am Ende doch nichts wirklich innovatives oder umweltfreundliches an der Kreislaufflasche von Lidl zu finden. Aber einen Satz der Kampagne sollte sich der mündige Verbraucher doch zu Herzen nehmen, nur in einem anderen Kontext. „Jede Flasche zählt“, denn jede eingesparte/weggelassene Einweg-Plastikflasche trägt wirklich zum Umweltschutz bei.