Frau-Supermarkt-Einkaufsregal

Der größte Lebensmittel-Discounter verschärft die Voraussetzungen für Lieferanten der Eigenmarke. Für den Konzern sind Rückstände von krebsauslösende und erbgutschädigende Mineralölbestandteilen nicht hinnehmbar und technisch vermeidbar. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, dass in allen angebotenen Produkten der Eigenmarke keine Mineralölbestandteile im Lebensmittel mehr nachweisbar sind.

Mit dieser Forderung setzt der Discounter einen neuen Standard in der Lebensmittelherstellung- und Verpackungsqualität. Aus dem Rundschreiben an die Zulieferbetriebengeht hervor: „Die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Lebensmitteln ist ein zentrales Anliegen von Aldi Süd. […] Aldi Süd hat das Ziel, dass bei den Eigenmarken des Food-Sortimentes keine Mineralölbestandteile im Lebensmittel nachweisbar sind. Aus diesem Grunde fordern wir Sie auf, Maßnahmen zu ergreifen, welche die Einhaltung dieser Vorgabe im Lebensmittel bis zum Ende des MHDs, bzw. bei frischem Obst und Gemüse bis zum erwarteten Zeitpunkt des Verzehrs, sicherstellen. […] Aldi Süd wird die Umsetzung der Maßnahmen prüfen und bei zukünftigen Kaufentscheidungen berücksichtigen.“

Besonderen Fokus setzt das Unternehmen auf sogenannte MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Das sind aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe. Diese wurden schon in zahlreichen in Nahrungsmitteln und Kosmetika gefunden. Mineralöle stellen die größte Verunreinigung im menschlichen Körper dar.

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und auch das zuständige deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnen vor dem krebserregenden und erbgutschädigenden Potenzial aromatischer Mineralöle (MOAH). In den letzten Monaten tauchten immer wieder Funde von MOAH in Produkten auf. Stiftung Warentest wurde in Olivenölen fündig. Das Bayerische Landesgesundheitsamt wies MOAH in Adventskalendern nach. Öko-Test fand sie in Dr. Oetker-Produkten und zu Jahresbeginn hat TV-Koch Johann Lafer den Verkauf des Produkts „Malabar-Pfeffer schwarz“ aus seiner Marke „Lafer. Lecker. Leben“ wegen zu hohen MOAH-Werten gestoppt. Im Oktober 2015 veröffentlichte Foodwatch das Ergebnis eines umfangreichen Labortest indem jedes fünfte getestete Lebensmittel in Deutschland (9 von 42 Produkten) mit MOAH belastet war.

Erschreckend waren die unterschiedlichen Reaktionen der beteiligten Unternehmen. Kaufland und Real nahmen die Ergebnisse sehr ernst und veranlassten den Rückruf zweier Reisprodukte des italienischen Hersteller Curti. Rewe und Kellogg´s ignorierten die Ergebnisse und gesundheitlichen Risiken Ihrer Waren für den Kunden und ließen Ihre Produkte Kellogg´s Cornflakes und Rewe Bio-Weichweizengrieß weiter im Handel zum Verkauf. Diesen beiden Unternehmen sind Profite scheinbar wichtiger als das Wohl der Kundschaft. Es ist wohl auch egal, dass es Kleinkinder sind, welche die kontaminierten Produkte zum Verzehr in die Finger bekommen.

In die Nahrungskette kommen MOAH meist durch Verpackungsmaterialien aus Recyclingkarton oder durch auf mineralölbasierende Druckfarben welche durch Migrationsprozesse in die Lebensmittel übergehen. Außerdem können auch Maschinenöle aus dem Herstellungsprozess Ursache der Kontaminationen sein.

ALDI Süd ist somit der erste Konzern in der Branche der anstelle jahrelangem Gerede von höherem Qualitätsstandards, diese in die Tat umsetzt. Alle Zulieferbetriebe des Discounters müssen die neuen Vorgaben erfüllen und umzusetzen. Auch müssen sie ihre Produkte regelmäßig in einem akkreditierten Labor nach der HPLC-GC-FID-Methode testen lassen, jenes Verfahren das auch foodwatch in seinem großen Labortest angewandt hatte.

Erst vor kurzer Zeit hat die ALDI Nord und ALDI Süd seine Qualitätsanforderungen an seine Lieferanten erhöht. Das Unternehmen lud Vertreter von Erzeugern, Verbänden und Vereinen, Pflanzenschutzberatern und -ämtern sowie Prüflaboren an einen Runden Tisch, mit der Absicht gegen das Bienensterben vorzugehen. „Gemeinsam wurde ein praktikabler Lösungsansatz erarbeitet, mit dem alle Parteien sowohl dem Bienenschutz als auch den landwirtschaftlichen Bedürfnissen Rechnung tragen“. In der Tat hat das Unternehmen anschließend acht Wirkstoffe (Chlorpyrifos, Clothianidin, Cypermethrin, Deltamethrin, Fipronil, Imidacloprid, Sulfoxaflor, Thiamethoxam) auf den Index gesetzt. Diese dürfen bei dem Anbau von deutschem Obst, Gemüse und Kartoffeln künftig nicht mehr eingesetzt werden. Besonders ein Dorn im Auge des Unternehmen sind Neonicotinoide, welche im Verdacht stehen für den Rückgang von Fluginsekten wie Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen in Deutschland mitverantwortlich zu sein. Aldi zeigt mit diesen beiden Aktionen wie Unternehmertum zusammen mit Verbraucherschutz und Umweltbewusstsein funktionieren kann.

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