Chemie-Sondermüll-Ufer-Industrie

Selbst die modernsten Kläranlagen sind überfordert, sagen die Wasserversorger. Sie schaffen es nicht mehr die zahlreichen Chemikalien vollständig aus dem Trinkwasser zu filtern. Waschmittel, Kosmetik und hauptsächlich Medikamente sind die Hauptverursacher. Das Gefahrenpotenzial der Spurenstoffe ist wenig bekannt, aber genau deshalb fordert der Verband Kommunaler Unternehmen endlich zu handeln.

Die Wasserversorger sprechen es jetzt aus. Die Belastung des Grundwassers und des Trinkwassers mit Chemikalien steigt. Angesichts dieser Problematik warnen die deutschen Wasserversorger vor einer Überforderung der Kläranlagen. Die Wasserbetriebe werden das Problem mit den Mikro-Verunreinigungen alleine nicht bewältigen können, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche, am Freitag in Berlin.

Die große Mehrheit der VKU Mitgliedsunternehmen ist gleicher Ansicht. Eine Umfrage des Verbandes denken 84 Prozent der Wasserbetriebe, dass der zunehmende Eintrag von sogenannten Spurenstoffen, chemischen Substanzen die in geringsten Mengen vorkommen, die Gewässerqualität und Ökosysteme beeinträchtigen. Daher hat der VKU auch Fachleute und Experten aus Experten bei dem Treffen am letzten Freitag eingeladen. Als besonders besorgniserregend gelten nach der Umfrage Spurenstoffe aus Arzneimitteln (93,7 Prozent) und aus Pflanzenschutzmitteln (87,4 Prozent). Weniger problematisch sehen die Klär- und Wasserbetriebe Haushaltschemikalien (32,8 Prozent) und Körperpflegeprodukte (29,3 Prozent).

Das die Spurenstoffe vermehrt in den Fokus der Wasserbetriebe, Medien und folglich der Öffentlichkeit gelangen, liegt an den seit einigen Jahren wesentlich besseren Mess- und Analysemethoden. Dadurch lassen sich bereits geringste Konzentrationen von Stoffen sicher im Trinkwasser nachweisen, die bisher unentdeckt blieben. Diese Mikroverunreinigungen sind vor allem in Medikamenten, Pestiziden, Waschmitteln, Körperpflegeprodukten und Kosmetika enthalten. Auch die modernsten und effizientesten Kläranlagen sind nicht in der Lage die Spurenstoffe vollständig herauszufiltern. Es stellt sich die Frage ob diese überhaupt vollständig aus dem Trinkwasserentfernt werden müssen. Welche Gefahren gehen für Mensch und Umwelt aus? Pauschal sind diese Fragen derzeit unmöglich zu beantworten. Fest steht allerdings, dass bereits wenige Mikro- oder Nanogramm pro Liter unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

Potenzielle Auswirkungen auf Umwelt und Mensch

In dem aktuellen Bericht „UmweltWissen: Schadstoffe-Spurenstoffe im Wasser“ vom Bayerischen Landesamt für Umwelt steht zu den möglichen Wirkmechanismen: „Manche Spurenstoffe wirken unmittelbar akut, andere erst bei chronischer Exposition. Einige wirken im Laborversuch anders als in der Natur. Ein vorbelasteter Organismus ist anfälliger für negative Wirkungen. Auch Metaboliten und Transformationsprodukte können eine Wirkung haben, die zum Teil sogar schädlicher ist als die der Ausgangsstoffe selbst (Kümmerer 2010). Kleine, durch Chemikalien ausgelöste Verhaltensänderungen bei den Organismen können ganze Ökosysteme durcheinander bringen. So berichten Forscher der Umea-Universität in Schweden von Flussbarschen, die Psychopharmaka aus der Gruppe der Benzodiazepine ausgesetzt waren. Diese Tiere verhielten sich viel weniger zurückhaltend als ihre Artgenossen und fielen dadurch Räubern häufiger zum Opfer. Hormone und Stoffe, die wie Hormone wirken, können außerdem die Fortpflanzungsfähigkeit von Fischen beeinträchtigen. Auch die Mikroorganismen in Kläranlagen können von Desinfektionsmitteln, Antibiotika und Nanopartikeln beeinflusst werden.“

Weil der Verbandes Kommunaler Unternehmen ebenfalls Risiken bei den Spurenstoffen sieht, gehe es darum rechtzeitig Tendenzen zu erkennen, um die Trinkwasserqualität in Deutschland beizubehalten, wie Katharina Reiche betont: „Wir stellen fest, dass wir insbesondere aus dem Pharmabereich zunehmend Spurenstoffe entdecken. Auch dort, wo wir eine intensive Tierhaltung - Massentierhaltung - haben, stellen wir hohe Nitratwerte fest. Die machen es unseren Wasserversorgern immer schwerer, ihre Grundwasserkörper sauber und sicher zu halten. Hier müssen wir zu einer deutlichen Absenkung kommen. Das sagt auch die EU-Kommission, die hat Deutschland hier recht kritisch im Blick.“

100.000 Chemikalien und kein Ende

Angesichts der Vielzahl der Chemikalien stehen die Wasserbetriebe vor einer aussichtslosen Situation. In der Europäischen Union sind derzeit rund 100.000 Chemikalien auf dem Markt. Sie finden sich sowohl einzeln und in noch größerer Menge als Verbindungen mit anderen Chemikalien in Produkten wieder. Dies können natürliche oder anthropogene Substanzen (vom Menschen erzeugte Stoffe) sein. Typische anthropogene organische Spurenstoffe sind Wirkstoffe in Medikamenten, Weichmacher in Plastik, Reinigungsmittel und Duftstoffe in Kosmetika sowie Industriechemikalien, Korrosionsschutzmittel, Pflanzenschutzmittel und Biozide.

Hauptgeschäftsführerin des VKU, Katherina Reiche kritisierte die Tatenlosigkeit der Politik. Das Problem werde einfach bei den Wasserverbänden abgeladen. Dabei seien die Verursacher andere und bekannt. Wirkungsvolle Maßnahmen zur Reinhaltung des Wassers müssten „zuerst beim Verursacher der Emission ansetzen“. Denkbar wäre „auch eine verursachergerechte Beteiligung an den Kosten der Trinkwasseraufbereitung“. Reiche fordert daher eine systematische Erfassung der Substanzen sowie wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen Risiken. Das Gebot der Stunde ist Sorgfalt und Vorsorge: „Beim Trinkwasser hört der Spaß auf.“

Der VKU bezieht sich auf Zahlen des Umweltbundesamtes. So gelangen allein aus privaten Haushalten jedes Jahr 630.000 Tonnen Chemikalien aus Wasch- und Reinigungsmitteln in das Abwasser. Hinzu kommen noch 10.500 Tonnen aus Kosmetikprodukten und Körperpflegemitteln. Der bedenklichste Eintrag für Umwelt- und Gesundheitsschutz sind die rund 8.100 Tonnen Arzneimittelreste. Die Problematik bestehe vor allem darin, dass die Medikamente so gestaltet sind, dass sie sich im Körper nur langsam zersetzen, wie etwa Röntgenkontrastmittel. In der Natur sind diese Stoffe ebenso langlebig und schwer abzubauen. So belastet beispielsweise das in der Tier- und Humanmedizin eingesetzte Rheumamittel Diclofenac weltweit bereits viele Ökosysteme.

Ab- und Umbau der Stoffe beim Stoffwechsel und in der Umwelt

Während die meisten organischen Stoffe problemlos durch natürliche bio-chemische Prozesse zu unschädlichen Endprodukten wie Wasser, Kohlendioxid und anorganischen Salze abgebaut werden, gilt dies nicht für synthetische Stoffe. Sie bauen sich nur ganz langsam ab, manche werden nur teilweise oder überhaupt nicht ab bzw. umgebaut. Manche Arzneimittelsubstanzen werden vom Menschen unverändert ausgeschieden. Andere werden vom Organismus in sogenannte Metabolite ab-oder umgebaut. Teilweise entstehen Abbauprodukte, die eine eigene Wirkung haben können. Das Risikopotenzial bezüglich der Konzentration im Wasser ist unklar. Eine mögliche Schädigung von Pflanzen und Tieren in den Gewässern sowie ein Eintrag ins Trinkwasser, wo sie Auswirkungen auf den Menschen haben, ist potenziell gegeben.

„Von besonderem Interesse sind Stoffe, bei denen damit zu rechnen ist, dass sie über das Trinkwasser eine negative Wirkung auf die Gesundheit des Menschen haben oder das Gleichgewicht aquatischer Ökosysteme beeinflussen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um hormonähnliche, gentoxische, immuntoxische und antimikrobielle Substanzen. Bei der Zulassung von Medikamenten hat der medizinische Nutzen des Wirkstoffs oberste Priorität. Dennoch muss man auch hier vermeidbare Umweltbelastungen benennen und über mögliche Alternativen nachdenken. Erschwert wird die Beurteilung allerdings durch den Umstand, dass einige Wirkstoffe vom Menschen unverändert wieder ausgeschieden, andere dagegen umgebaut werden. In der Natur werden sie entweder weiter abgebaut, umgebaut oder sie können mit anderen Substanzen zu neuen Stoffen reagieren. Optimal wäre ein vollständiger Abbau. Werden die Stoffe dagegen nicht abgebaut (Persistenz), können sie in der Nahrungskette angereichert werden (Bioakkumulation). Dabei ist oft unklar, welche Struktur und welche Wirkungen diese neuen Stoffe haben“, besagt der Bericht Spurenstoffe im Wasser vom Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Im Klartext bedeutet dies, dass derzeit nur wenig Daten zur ökotoxikologischen Bewertung der nachgewiesenen Arzneimittelstoffe oder deren Abbauprodukte in Gewässern vorliegen. Welche Wirkungen dies auf die aquatische Umwelt hat und zukünftig haben wird, ist unmöglich abzuschätzen. „Auch die Betrachtung von Stoffen und Stoffgemischen, die sich im Organismus anreichern oder in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken können, fehlt. Dazu kommt noch das mangelnde Wissen über Transformationsprodukte“ (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft 2010). Diesbezüglich fordert die Hauptgeschäftsführerin des VKU, Katherina Reiche, dass die Zulassungsverfahren für Medikamente erweitert werden müssen. Es gilt zukünftig zu berücksichtigen, wie sich die Wirkstoffe in der Natur verhalten und in welchem Maße das Gefahrenpotenzial für die Gewässer gegeben ist.

Klärwerk

Kosten in Milliardenhöhe für die Reinigung

Die Spurenstoffe wirksam aus dem Wasserkreislauf zu entfernen wird erhebliche Kosten verursachen. Für die meisten Klärbetriebe wird eine vierte Klärstufe notwendig sein. Bei der Trinkwasseraufbereitung gibt es auch verschiedene mögliche Verfahren. Neun von zehn Unternehmen des VKU rechnen mit steigenden Kosten für die Nachrüstung besserer Filtertechniken. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes würden sich die Kosten für die Installation weiterer Reinigungsverfahren in Klär- und Trinkwasseranlagen auf rund 1,3 Milliarden Euro belaufen, sagt Georg Wulf, Vorstandschef des Wupperverbands, der zwischen Leverkusen und Wuppertal 900 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.
Für den Endverbraucher kommen, je nach Aufrüstungsbedarf, Mehrkosten zwischen sechs und 30 Cent pro Kubikmeter zu. „Es gibt beispielsweise die Säuberung durch Aktivkohle, die kann als sogenannte vierte Reinigungsstufe nachgeschaltet werden. Es gibt auch Ozonierungsverfahren. Wir kriegen beispielsweise dank der Aktivkohle Rückstände von Arzneimitteln recht gut aus Abwasser heraus. Bei anderen Spurenstoffen jedoch versagt diese Technologie. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass wir am Ende des Abwasserreinigungsprozesses eine Art Null-Emission haben, somit überhaupt keine Spurenstoffe mehr im Abwasser finden würden“, so Wulf. Neben den Verbrauchern sollten nach Meinung von VKU-Chefin Reiche auch die Hersteller, die Industrie und Landwirtschaft an den Kosten beteiligt werden . Eine Mammutaufgabe hinsichtlich der Mengen und Vielzahl betreffender Produkte.

Hersteller, Industrie und Landwirtschaft in die Pflicht nehmen

„Wir müssen verstärkt auf das Vorsorgeprinzip setzen und den Eintrag von Spurenstoffen vorzeitig unterbinden“, erklärt Reiche. Georg Wulf fordert die Bundesregierung dazu auf, sich einzubringen und das Gespräch mit der Industrie zu suchen. So könnte mit der Pharmaindustrie über die oft zu großen Packungen von Medikamenten gesprochen werden. Die Wasserwirtschaft ist schon längst im Gespräch mit der Ärzteschaft, um Medikamente in Mengen passend zum individuellen Bedarf des Patienten zu verschreiben. Beim Thema Antibiotika spielt die Landwirtschaft eine wesentlich größere Rolle als die Humanmedizin. So werden jährlich in der Nutztierhaltung 1.700 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Allein schon wegen der bundesweit hohen Nitratbelastung muss die Landwirtschaft beim Gewässerschutz mehr in die Verantwortung genommen werden.

Laut Wulf wären verpflichtende Abgaben von den Herstellern für die Wasserreinigung eine Möglichkeit. Wahrscheinlich würden die Hersteller die Kosten dann auf den Preis aufschlagen und somit der Endverbraucher für die Mehrkosten aufkommen. Allerdings könnten die Kunden zwischen einem günstigen, umweltfreundlichen und einem abgabebelsteten Spurenstoffrisiko-Produkt wählen. Wahrscheinlich würde die Industrie dann auch umweltfreundlichere Produkte entwickeln, da der „grüne“ Aspekt bei Produkten von den Verbrauchern immer mehr berücksichtigt wird. Auch sollten auf Arzneimittelpackungen und chemischen Produkten die Auswirkungen der enthaltenen Wirkstoffe auf Umwelt und Gewässer deklariert sein. Die Arbeit der kommunalen Abwasserunternehmen wäre zudem einfacher, würden sie über Informationen verfügen, in welchen Mengen ein Stoff eingesetzt wird, wie toxisch er ist und wie er herauszufiltern ist. „Diese Werte sollten öffentlich zugänglich sein“, so Reiche. Sie fordert eine Datenbank nach wissenschaftlichen Kriterien.

Chemie im Privathaushalt

Der VKU fordert auch die Mithilfe jedes einzelnen ein. Immerhin gibt es rund 5.000 Chemikalien in einem normalen Haushalt. Durch sorglosen Umgang bei der Entsorgung von Arzneien und Pestiziden im Garten, tragen die Bundesbürger einen erheblichen Anteil zu der Problematik bei, sagt Georg Wulf vom Wasserwirtschaftsverband Wupperverband. "Nicht jedem ist bewusst, dass das, was er sich auf die Haut tut, irgendwann im Trinkwasser landet", sagte Reiche mit Verweis auf Spurenstoffe aus Kosmetikprodukten. Hier müsse vor allem Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. Zwar gelangt ein Großteil der pharmazeutischen Spurenstoffe über den Harn ins Abwasser, doch immer noch entsorgen knapp die Hälfte aller Bürger abgelaufene Medikamente über die Toilette. Die Verbraucher müssen dringend über die Folgen für Grund- und Trinkwasser informiert werden, damit sie sich bewusster verhalten. „Das Thema Waschmittelverbrauch, generell der Haushaltschemikalienverbrauch: Hier können wir Verbraucher deutlich stärker sensibilisieren. Wenn es um Medikamentenverbrauch - und deren Entsorgung geht, dann geht es nicht um eine Gängelung der Verbraucher. Aber Aufklärung tut not. Man muss ihnen sagen, dass ein weggeworfenes Medikament irgendwann im Grundwasser landet. Es geht um einen sparsamen, gut dosierten Medikamenteneinsatz. Das würde helfen“, so Reiche. Ein Verursacher ist bisher kaum ins öffentliche Bewusstsein getreten. So ist der Reifenabrieb von Autos im Straßenverkehr inzwischen „ein ziemlich großes Thema“ für den Gewässerschutz, laut Wulf. Es muss darüber nachgedacht werden inwieweit und in welchem Umfang zukünftig auch Niederschlagswasser gereinigt werden müsse, bevor es wieder in natürliche Gewässer fließt. „Es braucht eine Gesamtstrategie", forderte Wulf, dessen Wupperverband unter anderem zwölf Talsperren und elf Klärwerke betreibt.

Das können Sie persönlich tun

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat folgende Informationen und Verhaltensregeln für den Umweltschutz im Alltag aufgestellt, die jeder umsetzen kann:
Die winzigen Portionen an Spurenstoffen aus Tausenden von Haushalten summieren sich zu erheblichen Mengen, die überall in die Kläranlagen eingetragen werden. Der Grund ist, dass fast alle Alltagsprodukte verschiedenste Spurenstoffe enthalten. Daher kann auch der Einzelne letztlich viel dazu beitragen, die Spurenstoffbelastung in den Gewässern zu verringern. Besonders aufpassen sollte man, wenn man dem Wasserhahn oder dem Abfluss nahe kommt, also zum Beispiel beim Duschen, Abspülen, Putzen und Wäsche waschen. Dazu einige Tipps:

MEDIKAMENTE oder ihre Abbauprodukte werden vom Menschen ausgeschieden, so dass sie ins Abwasser und in die Gewässer gelangen. Daher sollte man mit Medikamenten stets sorgsam umgehen und sie nicht überdosieren. Antibiotika sind zweifach riskant: Zum einen schädigen sie Kläranlagen und Ökosysteme. Zum anderen nimmt die Zahl der Antibiotika-Resistenzen zu. Krankheitserreger, die resistent gegen Antibiotika geworden sind, können nicht mehr wirksam bekämpft werden und zu lebensgefährlichen Infektionen führen (zum Beispiel multiresistente Keime in Krankenhäusern).

PFC-HALTIGE IMPRÄGNIERUNGEN (zum Beispiel bei Outdoor-Kleidung) sollte man meiden und imprägnierte Kleidung möglichst nicht oder selten waschen.

Kritische REINIGUNGSMITTEL sollte man gezielt nur dann verwenden, wenn es nicht anders geht. Besonders aggressive Mittel können zudem Allergien auslösen. Oft reichen schon Hausmittel, wie Einweichen (bei Flecken), Zitronensäure (gegen Kalk), Spiritus (gegen Fett und Schimmel) oder kochendes Wasser (gegen Fett). Mechanische Putzhilfen wie Scheuermilch können zusätzlich unterstützen.

Insbesondere DESINFEKTONSMITTEL sollten nur gezielt und sorgfältig eingesetzt werden. Weder Küche noch Bad müssen regelmäßig desinfiziert werden, wenn doch, ist Spiritus (75 Prozent Alkohol) eine sinnvolle Alternative: preiswert, wirksam und ein vollständig abbaubares Naturprodukt.

Bei SHAMPOOS UND WASCHMITTELN gibt es umweltfreundliche Produkte zum Beispiel ohne Duft- und Konservierungsstoffe. Eine sehr einfache Maßnahme ist es, Waschmittel nach dem Verschmutzungsgrad und der Menge der Wäsche oder des Geschirrs zu dosieren. Bei weichem Wasser kann die Menge meist noch weiter reduziert werden. Man sollte nur phosphatfreie Spülmaschinenreiniger und Waschmittel verwenden.

Im GARTEN sollte man statt chemischer Pflanzenschutzmittel lieber Hausmittel nutzen, Unkraut mechanisch entfernen und Nützlinge fördern, indem zum Beispiel Rückzugsmöglichkeiten für Igel oder Vögel geschaffen werden. Das Auto sollte man nur an Waschplätzen oder in der Werkstatt waschen, niemals am Straßenrand. Dasselbe gilt auch für Ölwechsel.

Entsorgung von Reststoffen

Beim Entsorgen flüssiger Reste sollte man einige einfache Regeln beachten. Immer gilt: Potenziell schädliche Substanzen gehören in die Müllverbrennung – niemals ins Abwasser! Natürliche Inhaltsstoffe sind in der Regel abbaubar und daher in „normalen“ Mengen relativ unkritisch.

PUTZWASSER immer in die Toilette schütten, nie in den Gully vor dem Haus, denn in vielen Gemeinden wird das Regenwasser zeitweise direkt in Bäche und Flüsse geleitet – ohne dazwischengeschaltete Kläranlage. Haushaltsabwasser dagegen gelangt immer in die Kläranlage.

CHEMIKALIENRESTE wie Farben, Desinfektionsmittel oder Insektenvernichtungsmittel dürfen nicht in die Toilette gespült, sondern müssen im Hausmüll oder über die Sammelstelle für Problemabfälle entsorgt werden.
ALTMEDIKAMENTE werden häufig in Waschbecken oder Toilette entsorgt. Wenn Sie wissen ob ihr Hausmüll von den Entsorgungsbetrieben verbrannt wird, können Altmedikamente in den Hausmüll. Wird ihr Müll auf einer Deponie entsorgt, können Stoffe die Sickerwässer der Deponie über die Kläranlage in die Gewässer gelangen. In dem Fall die Altmedikamente bei der Sammelstelle für Problemabfälle abgeben.

 

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