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Petronas ist Hauptsponsor und strategischer Partner von Daimler. Petronas ist wichtig für Daimler bei der Entwicklung zukunftweisender Technologien in der Motorenentwicklung. Doch Petronas verseucht seit Jahren das Trinkwasser in einer Region im Südsudan und Daimler kennt die Fakten. Obwohl Daimler für sich selbst und seine Partner strikte Richtlinien bezüglich Umweltschutz und Achtung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten einfordert, scheint Petronas die Ausnahme zu sein. Ab welchem Level ist für Daimler der wirtschaftliche Vorteil wichtiger als die ethischen und moralischen Richtlinien zum Schutz von Mensch und Umwelt?

Seit 2010 kennt Daimler die Umweltsünden seines wichtigen strategischen Partners Petronas im Südsudan. Würde sich Daimler an die eigenen Richtlinien halten, würde der Automobilhersteller seine Partnerschaft entweder aufkündigen oder Druck auf Petronas ausüben, um an der Trinkwasserverschmutzung etwas zu ändern. Doch weit gefehlt. Wirtschaftliche Vorteile zählen wohl auch bei den „saubersten“ Unternehmen mehr als Mensch und Umwelt. Zwei Weltmeistertitel in der Formel 1 dürfen dann schon die Gesundheit und das Leben von 180.000 Menschen kosten. Prestige auf Kosten von Menschenleben ist nur ein Kollateralschaden der bei der Erzielung des eigenen Vorteils in der globalen Marktwirtschaft bewusst einkalkuliert wird.

In der Stadt Koch im Unity State, einer ölreichen Gegend im heutigen Südsudan ist das Trinkwasser mit Blei und Chemikalien verseucht. Der Verursacher ist das Ölkonsortium WNPOC, was mittlerweile SPOC heißt, welches zu etwa 68 Prozent dem Konzern Petronas gehört. Was Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des ARD-Politikmagazins report München schon sagten, bestätigten jetzt wissenschaftliche Untersuchungen der deutschen Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ und der „African Water Ltd.“

Die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen bei der Ölförderung haben die die oberen Trinkwasser-Ebenen mit Schwermetallen und Chemikalien verseucht. Petronas fördert dort seit sieben Jahren Öl. Die Bewohner haben die Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ schon vor Jahren informiert und um Hilfe gebeten. Seit 2010 versucht „Hofnungszeichen“ im Gespräch mit Petronas, dem Südsudan und Daimler eine Verbesserung der Lage der Menschen zu erreichen - bisher vergebens. Petronas wiegelt ab und die Regierung droht der Hilfsorganisation sogar.

Haaranalysen von Bewohnern der umliegenden Dörfer um die Förderstelle zeigen eine Bleibelastung, die mehr als 20-fach über dem Grenzwert liegt. Viele Menschen haben sich mit vergiftetem Wasser bereits teilweise erhebliche Gesundheitsschäden zugezogen. Es gibt auch Hinweise darauf dass Missbildungen bei Säuglingen auf die Bleivergiftung der Mütter zurückzuführen ist. Die Haarproben wurden von Prof. Fritz Pragst vom Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin bewertet. „Man muss diese Gefährdung beseitigen oder die Menschen aus dem Gefährdungsherd herausbringen. Man muss das Blei aus dem Körper herausschwemmen, weil das hauptsächlich in den Knochen gespeichert wird. Aber die Schäden am Nervensystem und an den Nieren sind dauerhaft. Wenn man so stark mit Blei belastetes Wasser über einen längeren Zeitraum trinkt, kann es lebensgefährlich sein“, so Pragst. Die Belastungen sind so hoch wie in stark belasteten Bergbaugebieten. Im 220 Kilometer entfernten Rumbek sind die Werte im Schnitt nicht nak halb so hoch. . „Das ist ein statistisch signifikanter Unterschied und beweist den Zusammenhang zur Erdölindustrie“, sagt Pragst.

Klaus Stieglitz von „Hoffnungszeichen“ versucht seit 2010 über Daimler an Petronas heranzukommen, um endlich etwas an der Lage zu ändern. Der Automobilhersteller ist über die Situation im Südsudan durch die Hilfsorganisation seit Jahren bestens informiert. Für Daimler ist Petronas nun ein Problem. Daimler legt nämlich großen Wert auf Compliance, also das das Einhalten von Regeln und Anstand. So zitiert Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche in der Einleitung des aktuellen Nachhaltigkeitsberichts den Philosophen Hans Jonas. „Wer nach dem Prinzip „nach mir die Sintflut" handle, mache die Sintflut damit ein gutes Stück wahrscheinlicher. Stattdessen gilt es so zu handeln, dass wir es auch gegenüber unseren Kindern und Enkeln verantworten können. Genau das tun wir bei Daimler.“

Seit 2000 ist der Global Compact der Vereinten Nationen der Maßstab für Daimler in Sachen Compliance. In den von Dr. Christine Homann-Dennhardt für Daimler entwickelten Geschäftsgrundsätzen steht: „Die Umwelt für die heutige und für die künftigen Generationen zu schützen und alle geltenden Regeln und Gesetze einzuhalten, ist ein Grundanliegen von Daimlern und seinen Partnern. Unsere Partner verpflichten sich, ihr eigenes Handeln an übereinstimmenden Wertmaßstäben auszurichten und kontinuierlich zu reflektieren.“ Zudem: „Wir folgen der Erkenntnis, dass kein Geschäftsabschluss es wert ist, den Ruf unseres Unternehmens aufs Spiel zu setzen. Gleiches erwarten wir von unseren Partnern.“

Mit dem Fall Petronas sitzt Daimler jetzt in der Zwickmühle. Als Hauptbesitzer des Formel 1 Teams profitiert Daimler nicht nur von der Sponsoringsumme die zwischen 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr liegt. Der Automobilkonzern profitiert aus der Forschung von Petronas. Die entwickelten Öle und Kühlflüssigkeiten halfen bei den zwei Weltmeistertiteln der Silberpfeile. Wird etwas am V6-Antrieb des Boliden von den Ingenieuren verändert, passt Petronas die Flüssigkeiten an. In der Formel 1 geht es um hundertstel Sekunden und Sprit sowie Schmierstoffe sind mitentscheiden über Sieg oder Niederlage.

Aber auch im Kerngeschäft profitiert Daimler von der Technologiepartnerschaft. Erkenntnisse aus der Formel 1 fließen in Produktion der Serienwagen. Würde Daimler also wegen der Trinkwasserverseuchung zu viel Druck auf Petronas ausüben, könnte die Partnerschaft gefährdet sein. Verliert Daimler den Partner Petronas, fällt auch die technologische Zusammenarbeit weg. Daimler hat sich folglich dafür entschieden die Rolle des unbeteiligten Vermittlers zu spielen. Dennoch nehme Daimler die Vorwürfe sehr ernst. Es gab über die Jahre mehrere Treffen zwischen „Hoffnungszeichen“, Vertretern der Regierung Südsudan und Petronas. „Wir wurden immer nur hingehalten, verbessert hat sich für die Menschen im Südsudan nie etwas“, sagen hingegen die Vertreter von Hoffnungszeichen. Es sind nun sechs Jahre vergangen, ohne dass sich etwas für die Menschen dort verbessert hat. Es wird wahrscheinlich sogar noch schlimmer. Die Hilfsorganisation „Hoffnungszeichen“ musste ihr Personal vor Ort abziehen, nicht nur wegen des Krieges.

Bei einem Treffen in Stuttgart Ende 2015 mit Daimler und Vertretern der südsudanesischen Regierung drohte ein Mitarbeiter des Ölministeriums per Powerpoint-Folie der Hilfsorganisation. Die Regierung betrachtet es als „Akt gegen den südsudanesischen Staat“ und als Gefährdung der Sicherheit, wenn die Hilfsorganisation weiterhin Informationen zu dem Fall veröffentlicht. Ein Manager von Daimler hat kommentarlos daneben gesessen. Das Auswärtige Amt riet der Hilfsorganisation, die Drohung ernst zu nehmen. So schön die Compliance Richtlinien von Daimler auch sind, sind sie dennoch nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Der Fall Petronas im Südsudan ist der Beweis dafür.

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