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Wasserhahn-tropfen

Das Ringen um das Trinkwasser in und um München hat begonnen. Die Stadtwerke München haben ihren Nachbargemeinden ein Schreiben zukommen lassen, mit der Aufforderung sich künftig um eine eigene Trinkwasserversorgung zu kümmern. Nach 2025 werden die Nachbargemeinden kein Wasser mehr aus dem Loisachtal geliefert bekommen. Bei dem Zwist um das Trinkwasser sind Gerichtsverfahren vorprogrammiert.

Die Gemeinde Unterhaching staunte nicht schlecht, als sie Anfang dieses Jahres Post bekam. Es ging um die künftige Trinkwasserversorgung der Gemeinde. Bisher werden die 1,8 Millionen Kubikmeter Trinkwasser von den Stadtwerken München für die 25.000 Einwohner bereitgestellt. Die Stadtwerke München beziehen das Wasser wiederum zu 20 Prozent aus dem Loisachtal, um das es in diesem Schreiben ging.

Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen teilte Unterhaching mit sich um eine eigene Trinkwasserversorgung zu kümmern. Entweder sollen eigene Brunnen errichtet oder das Trinkwasser von anderen Nachbargemeinden bezogen werden, die bereits über eine eigene Trinkwasserversorgung verfügen. Die Versorgung aus dem Loisachtal könne laut dem Bescheid „nur noch bis längstens 31.12.2025 geduldet werden“. Unterhachings Gemeindesprecher Simon Hötzl erklärt, dies „stellt uns vor echte Probleme.

Die Unterhachinger waren nicht die einzigen, die diesen Bescheid bekamen. Auch Neubiberg, Hohenbrunn (Versorgungsgebiet Riemerling-Ost), Neuried, Ottobrunn (Versorgungsgebiet Ost) sowie Bergkirchen (Eschenried) im Landkreis Dachau sind betroffen. Alle werden bisher, zumindest zum Teil, mit Trinkwasser von den Stadtwerken München versorgt. In zehn Jahren kommt kein Tropfen mehr aus dem Loisachtal in die betroffenen Gemeinden.

Trinkwasser ist im Kreis Garmisch-Partenkirchen ein Dauerthema. Die Dürre, die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft und schnelle Entwicklung von München sowie Umland macht ein gutes Wassermanagement nötig, um die Versorgung und Qualität des Trinkwassers sicher zu stellen. Ein Fünftel des ganzen Bedarfs an Trinkwasser der Stadtwerke München kommt aus den fünf Brunnen im Loisachtal. Jede Sekunde werden 1.700 Liter in eine gigantische Kaverne im Auerberg bei Oberau gepumpt. Danach fliesst das kühle Nass sanft bergab durch eine unterirdische Leitung bis zum Hochbehälter Forstenrieder Park in München.

Die Brunnen im Loisachtal gehören der Gemeinde Farchant, die eine Reduzierung der Wassermenge für die Stadtwerke München durchgesetzt hat. Diese können bis 2045 jährlich 30 Millionen Kubikmeter Wasser bekommen, was zurzeit völlig ausreichen ist. Im Schnitt werden jährlich nur 22 Millionen Kubikmeter benötigt. Zuvor allerdings waren laut Vertrag 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr zugesichert. Der Grund für die Reduzierung ist, dass Farchant sich Entwicklungsmöglichkeiten für die eigene Gemeinde offen halten will. Würde es bei der bisherigen Zusicherung von 50 Millionen Kubikmetern pro Jahr für die Stadtwerke München bleiben, hätte Farchant sein Wasserschutzgebiet ausweiten müssen und diese haben Vorrang vor der Ortsentwicklung.

Beschlossen wurde die neue wasserrechtliche Genehmigung mit einem Bescheid des Landratsamtes vom 29. Dezember 2015, in dem gleichzeitig die neuen Auflagen an die Nachbargemeinden Münchens fixiert wurden.

Für das Landratsamt ist alles rechtens. Der Sprecher des Landratsamtes Stephan Scharf erklärte schriftlich, dass laut Paragraf 50, Wasserhaushaltsgesetz, es sei „Sache und Pflicht der betroffenen Gemeinden, (...) die Möglichkeiten einer Wassergewinnung vor Ort zu erkunden“ sowie sich bei „vertretbarem Aufwand“ mit Trinkwasser selbst zu versorgen. Die „grundsätzliche Möglichkeit einer ortsnahen Selbstversorgung“ ist laut Landratsamt in Unterhaching gegeben.

So einfach wird es für Unterhaching jedenfalls nicht sein eigenes Trinkwasser zu fördern. Die Gemeinde gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten im Münchner Raum. Zusätzlich ist sie von den Autobahnen A 995 und der A 8 begrenzt. „Dort ein Wasserschutzgebiet auszuweisen, ist nur schwer möglich“, sagt Simon Hötzl. Ohne Wasserschutzgebiet keine Genehmigung zur Förderung von Trinkwasser.

Den Gemeinden Bergkirchen und Neuried wurde geraten sich bei der Trinkwasserversorgung bei den Stadtwerken Dachau oder dem Zweckverband Würmtal zu bemühen und Anschlüsse zu errichten. Sollte dies nicht klappen, müssen die Gemeinden nachweisen warum dies nicht funktioniert. Teure Gutachten sind den beiden Gemeinden schon einmal sicher.
Stefan Straßmair, Bürgermeister von Hohenbrunn, spielt mit dem Gedanken sich durch das Wasserwerk im Höhenkirchener Forst mit Trinkwasser zu versorgen. Das Wasser wäre zudem günstiger als von den Stadtwerken München. Das Problem ist sich von den Stadtwerken München zu lösen, weil für die Netzübernahme eine Ablöse verlangt wird. Daher kann Bürgermeister Straßmair aktuell nicht sagen, ob der Wasserpreis letztlich steigt oder sinkt.

Die Gemeinde Neubiberg (Kreis München) bezieht ihre jährliche 1 Million Kubikmeter Wasser bisher komplett aus dem Loisachtal, bestätigt Bürgermeister Günter Heyland. Die Gemeindeverwaltung hat schon ihre Nachbarn angeschrieben, die über eigene Trinkwasserversorgung verfügen. „Wir haben gefragt, ob uns die Nachbarn zukünftig mitversorgen könnten“, so Heyland. Eine schnelle Antwort wird allerdings nicht erwartet, denn der Bürgermeister schätzt, dass diese Gemeinden ihre Wasserschutzgebiete dann auch ausweiten müssten. Wie im Fall Farchant hätte dies Auswirkungen auf mögliche Ortsentwicklungen. Unter anderem wären dann Industriegebiete, Straßen und Landwirtschaft in solchen Gebieten untersagt, denn es dürfen keine Schadstoffe in die Böden gelangen. Unterhaching hat ebenfalls bereits bei seinen Nachbarn angefragt. „Auch die Nachbarn haben Kapazitätsgrenzen. Der Großraum München expandiert. Da denkt natürlich jede Gemeinde zuerst an sich“, so Unterhachings Sprecher Simon Hötzl.

Die beiden Gemeinden Unterhaching und Neubiberg wehren sich gegen den Bescheid und haben Klage eingereicht. „Wir haben große Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Bescheids“, so Unterhachings Sprecher Simon Hötzl. Bürgermeister Heyland aus Neubiberg bleibt jedenfalls optimistisch. „Ich bin sicher, dass wir eine gute Lösung finden“, so Heyland. Es sind ja immerhin noch 10 Jahre Zeit und bis dahin „wird niemandem das Wasser abgedreht“. Von den Stadtwerken München werden die betroffenen Gemeinden keine Hilfe erwarten dürfen. Die Stadtwerke bedauern den Bescheid aus Garmisch-Partenkirchen „grundsätzlich“, aber „ wir verstehen jedoch die Intention und Logik der Genehmigungsbehörde“, lies ein Sprecher verlauten.