Balkendiagramm-steigende-Wasserpreise

 

Wegen der weltweiten Wasserknappheit fordern die Vereinten Nationen höhere Wasserpreise für reiche Staaten und Industrieländer. Wer mehr besitzt darf ruhig mehr für Wasser bezahlen. Dies könnte nach Ansicht der UN ein Mittel sein, um den weltweiten Verbrauch zu reduzieren.

Die Vereinten Nationen und die Weltbank warnen vor dem globalen Wassermangel aufgrund des Klimawandels. Nach wie vor wird zu viel Wasser verschwendet. Besonders reiche Nationen gehen mit Industrie und Landwirtschaft zu verschwenderisch mit dem Rohstoff Wasser um. Um dem vorzubeugen, empfehlen die Vereinten Nationen die Preise für reiche Staaten zu erhöhen. Laut Weltbank kann es durch den Klimawandel in mehreren Regionen bis 2050 zum Einbruch der wirtschaftlichen Konjunktur kommen. Den Nahen Osten würde es besonders hart treffen. Die Prognosen rechnen mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung bis zu 14 Prozent. China und Indien würden laut der Modellrechnung der Weltbank ebenfalls schwerwiegende Folgen hinnehmen müssen.

Der starke Bevölkerungszuwachs und der Klimawandel verursachen eine globale Wasserknappheit, die durch den zunehmenden Bedarf an Nahrung, Energie und sanitärer Versorgung zu einer deutlich steigenden Wasser-Nachfrage führt. Es wären nicht nur der Nahe Osten, China, Indien und Afrika betroffen, sondern alle Regionen der Erde. Selbst das wasserreiche Europa würde laut einer Studie der Vereinten Nationen spätestens von der weltweiten Wasserknappheit betroffen. In dem Bericht wird gefordert den Umgang mit Wasser international besser Abzustimmen. In diesem Bereich gibt es immer noch erhebliche Mängel. Es gibt zwar vereinzelte Abstimmungen und Abkommen, doch letztlich interessiert sich jede Nation zunächst für das eigene nationale Wassermanagement.

Die Wasserknappheit wird sich im Tempo noch verschärfen. In vielen Regionen wird die Wasserversorgung weniger werden, da Flussläufe geändert werden und die Niederschläge weniger werden. „Der Klimawandel wird sich bis 2030 drastisch auf die Nahrungsproduktion in Südasien und im Süden Afrikas auswirken“, warnt die UN. „Die Zukunft der Versorgung werde zunehmend ungewisser. Die Risiken dürften sich vergrößern“, sagte Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa. Die Zeit die Wasserkrise abzuwenden ist jedenfalls knapp. Schon bis 2030 wird die Lücke zwischen weltweitem Bedarf und der Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent anwachsen, rechnen die Experten der UN-Wetterorganisation WMO vor. Der Wasserbedarf wird bis 2050 um 55 Prozent ansteigen.

„Die derzeitigen Wasserpreise sind normalerweise viel zu niedrig, um reiche Haushalte und Industrien davon abzuhalten, überzogen viel Wasser zu verbrauchen“, so die Vereinten Nationen. Bisher regulieren die meisten Nationen der Welt das Wasser mehr oder weniger einheitlich für alle durch den Verbrauch und das Abwasser. Dabei könnten finanzielle Anreize geschaffen werden, um die besten verfügbaren Techniken und Technologien einzusetzen. Die Industrie könnte ermutigt werden Wasser zu sparen und zu recyclen. Der Industrie müssten dafür Planungs- und Finanzierungssicherheit auf langer Basis gegeben werden. Es wäre auch vorstellbar die Industrie dazu zu zwingen. Also bei Weigerung Strafzahlungen zu erheben oder für Wasser und Abwasser wesentliche höhere Preise zu verlangen.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten werden fortschrittliche Maßnahmen ergriffen. Mit einem künstlich angelegten Berg soll es zu mehr Niederschlägen kommen. Der Berg soll die Luft ansteigen lassen und Wolken bilden. Die Wolken sollen dann mit Chemikalien besprüht werden, um als Steigungsregen für die Bewässerung der Region zu sorgen. Das Konzept haben US-Wissenschaftler des National Center for Atmospheric Research (NCAR) im Auftrag der Vereinigten Arabischen Emirate entwickelt. Die Wissenschaftler sind jetzt in der Phase detaillierte Modelle zu testen, um herauszufinden, welche Höhe und welcher Steigungswinkel die besten Auswirkungen auf das Wetter haben werden. Für das Projekt erhielten verschiedene daran beteiligte Universitäten bereits 400.000 Dollar an Forschungsgeldern.

Die Wüstenstaaten investieren viel in die Wetterforschung und in Technologien, die das Wetter beeinflussen. Für das sogenannte „„Cloud-Seeding“ investierten sie 558.000 Dollar. Dabei handelt es sich um das gezielte besprühen der Wolken mit Chemikalien, um sie zum Abregnen zu bringen. Theoretisch kommen dafür Metallionen zum Einsatz, die mit dem Flugzeug in die Wolken gesprüht werden. Welche Mittel genau alle getestet und eingesetzt werden ist nicht bekannt.

Derzeit wird ermittelt was der Bau so eines Berges kosten würde. Sollte der Kosten/Nutzen Faktor passen und es das Projekt wäre rentabel, soll ein Ingenieursbüro in der nächsten Phase den Bau konkret konzipieren. Für die Arabischen Emirate sind künstliche Landschaftsveränderungen nichts Neues. Mit dem Projekt Palm Islands und Earth, drei riesige Inselgruppen vor der Küste Dubais, wurde neue Landmasse und Baufläche für Luxus-Villen geschaffen.

In der Vergangenhiet waren Mega-Projekte in den Arabischen Emiraten an der Tagesordnung. Die reichen Ölländer konnten finanziell aus dem Vollen schöpfen. Auch die energieaufwändige Gewinnung von Trinkwasser mit Meerentsalzungsanlagen war egal. Der nachlassende Öl-Boom und die Verschärfung des Wassermangels macht die Wasserversorgung der Emirate zu einem drängenden Problem. Nach Jahren der Wasserverschwendung hat Saudi-Arabien wegen der Wasserknappheit die Landwirtschaft komplett verboten.

Der Verbot des bringt Almari, den größten Milchproduzenten des Landes, in Bedrängnis. Mitten in der Wüste steht die größte Milchkuhfarm der Welt. 50.000 Tiere geben dort täglich Milch. Der Konzern kauft massiv Agrarflächen im Ausland auf, um das Futter für die Kühe sicher zu stellen. Almari holt sich die Ackerflächen vornehmlich in Afrika und den USA. Saudi-Arabien unterstützt seine Wirtschaft in diesem Bestreben. Die Regierung gibt finanzielle Förderung, wenn Ackerflächen im Ausland gekauft werden. In Afrika und im Sudan haben die Konzerne aus Saudi-Arabien mittlerweile mehr als eine Million Hektar Land gekauft. Sie werden wegen dem Landgrabbing scharf kritisiert.

Zuletzt kaufte Almari für 80 Millionen Dollar Land in den USA. In Arizon liegen davon etwa 40 Quadratkilometer und ausgerechnet in Kalifornien wurden sieben Quadratkilometer gekauft. Kalifornien ist laut Reuters bei ausländischen Investoren besonders beliebt. Rund 2,5 Prozent der Ackerflächen sind im Besitz von ausländischen Unternehmen, wie Daten des US-Landwirtschaftsministeriums belegen.

Almari baut sein Heu also ausgerechnet im seit Jahren dürregeplagten Kalifornien an, welches selbst mit einer extremen Wasserknappheit zu kämpfen hat. Die Dürre kostet Kalifornien nach offiziellen Schätzungen bereits 2,74 Milliarden Dollar. „Wir lassen sie hier rüberkommen und unsere Ressourcen aufbrauchen. Das ist sehr frustrierend für mich, insbesondere wenn Anwohner zu mir kommen und mir erzählen, dass ihre Brunnen austrocknen und sie tiefer bohren müssen, um an Wasser zu gelangen. Es ist für diese Leute sehr teuer, neue Brunnen zu bohren“, so Holly Irwin, Sprecherin einer lokalen Farmervereinigung in Arizona.
Die kalifornischen Landwirte fordern die Regierung auf strengere Regulierungen zum Grundwasserverbrauch umzusetzen, um damit den Export des Wassers in Form von Heu durch Almari zu unterbinden. Die Investoren suchen sich Ackerflächen in Kalifornien deshalb aus, da in dem Bundesstaat der Umgang mit Grundwasser sehr lasch reguliert ist.

Auch wenn Saudi-Arabien ein Wüstenstaat ist, so ist die Wasserknappheit selbst verschuldet. Das Königreich liegt auf einem der größten unterirdischen Wasserreservoirs der Welt. Innerhalb einer Generation wurden die über Jahrtausende entstanden Vorräte zu 80 Prozent ausgebeutet. Schuld sind gigantische Agrarprojekte. Der Milchproduzent Almari besprüht seine Kühe ständig mit kaltem Wasser, sonst würden sie bei Außentemperaturen von 55 Grad Celsius kaum Milch geben. Es wurden auch riesige Weizenfelder in der Wüste angelegt, um Saudi-Arabien unabhängig bei der Nahrungsmittelversorgung zu machen. Der Wüstenstaat baute so viel Weizen an, dass sie kurzfristig der sechstgrößte Weizenproduzent der Welt waren. Es wurde so viel Produziert, dass große Teile der Ernte einfach an die Nachbarländer verschenkt wurden, bevor der Weizen verrottet. Nach Angaben des amerikanischen Investigativblog Reveal verbrauchten die saudischen Farmer dafür ganze 5 Billionen Gallonen oder rund 19 Billionen Liter Wasser pro Jahr.

Das Verbot der Landwirtschaft im eigenen Land ist ein massiver Schritt zum Wassersparen. Einige Oasen und Quellen sind bereits ausgetrocknet. Sollte die Maßnahme des Verbots nicht ausreichen, wird Saudi-Arabien neben landwirtschaftlichen Flächen wohl bald auch damit anfangen unterirdische Wasserquellen überall auf der Welt aufzukaufen.

 

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