Uranabbau in Namibia


Israels tropische Früchte

Tropen FruchtIsrael leidet nicht erst heute unter Wassermangel. Schon in den 80er Jahren wurden Kampagnen zum Wassersparen durchgeführt. Dennoch lebte Israel über seine Verhältnisse und verbrauchte mehr Wasser, als die natürliche Regeneration der Grundwasserreservoire lieferte. Alle drei Hauptwasserquellen, das Jordanbecken, die Grundströme der Westbank und die Grundwasservorkommen entlang der Mittelmeerküste, sind bis aufs äußerste ausgebeutet worden. Da Israel sein Süßwasser zu 98 Prozent nutzt, verliert das Wasser stark an Qualität. Neben dem stetig wachsenden Verbrauch der Bevölkerung und der Industrie wird viel Wasser in der Landwirtschaft verbraucht. Zwar werden 70 % des städtischen Abwassers aufbereitet und der Landwirtschaft zugeführt. Dennoch verbraucht die Landwirtschaft 50 % des gesamten jährlichen Wasserbedarfs des Landes und ein Teil des Wassers für die Landwirtschaft geht Israel für immer verloren.

Beispielsweise der Anbau von Orangen benötigt enorme Mengen an Wasser. Ein Teil des Wassers bleibt in der Frucht und gelangt nicht mehr zurück in das Grundwasser oder die Flüsse. Somit verkauft Israel praktisch seine knappe Ressource Wasser in Form von Früchten für einen niedrigen Preis an andere Länder. Dass die Landwirtschaft zudem in einem Wüstenstaat mehr Wasser benötigt als in einem gemäßigten Klima, versteht sich von selbst. Daher ist es noch unbegreiflicher, dass Israel so viele tropische Früchte für den Export anbaut und die Landwirtschaft dabei nur zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Der Verbrauch von Wasser für den Anbau und der Profit für das Land stehen in keinem vernünftigen Verhältnis. Durch die Landwirtschaft wird nicht nur das Wasser in andere Länder exportiert, sondern die künstliche Bewässerung der Felder führt zu einer Verschlechterung der Wasserqualität durch Versalzung.

Durch die Versalzung kommt es auch zum Phänomen der blauen Babys. Säuglinge, die das salzhaltige Wasser trinken, haben einen hohen Nitratgehalt im Blut. Dadurch bekommen sie Atemnot, was dazu führt, dass sie blau anlaufen. Die große Wasserverschwendung der vergangenen Jahrzehnte hat in Israel seine Spuren hinterlassen. Der Meeresspiegel des Toten Meeres sinkt jedes Jahr um einen Meter. Innerhalb der letzten 20 Jahre ist die Oberfläche des Toten Meeres um ein Drittel kleiner geworden und die Küste ist eine einzige Salzkruste. Restaurants und Hotels, die vor Jahren noch in Strandnähe lagen, sind heute weit vom Wasser entfernt. Das Kibbuz „Ein Gedi“ lag 1985 noch direkt am Toten Meer und ist heute 1,5 Kilometer davon entfernt. Der Hauptzufluss des Toten Meeres, der Jordan, ist ebenfalls nur ein Rinnsal. In den 60er Jahren flossen noch jährlich 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser ins Tote Meer.

Heute kommen gerade noch 10 Prozent, etwa 130.000 Kubikmeter, an. Dem See Genezareth geht es ebenfalls nicht viel besser. Der Wasserstand sank zwischendurch bis zur roten Linie, bei der nicht mehr weiter abgepumpt werden darf. Kurzzeitig sank der Pegel sogar bis zur schwarzen Linie, bei der mit einer totalen Versalzung zu rechnen ist, sollte der Pegel länger so niedrig bleiben. Solch ein Wasser ist dann nicht einmal für die Landwirtschaft zu gebrauchen. Im Sommer 2008 leitete die Regierung unter dem Slogan „Von Rot zu Schwarz“ Sparmaßnahmen ein und seither wird Wasser in Israel immer teurer. Parkanlagen und private Gärten dürfen in den Sommermonaten nicht gegossen werden und selbst die Landwirtschaft muss Kürzungen der Wassermengen in Kauf nehmen. Inwieweit diese Maßnahmen den totalen Kollaps verhindern, bleibt abzuwarten. Es ist auf jeden Fall fünf vor Zwölf in Israel.

Die Regierung versucht, zusätzlich mit dem Bau von Entsalzungsanlagen der drohenden Katastrophe entgegenzuwirken. Dass die Landwirtschaft auch andere Wege gehen könnte, zeigt das Kibbuz Tzuba in den Bergen von Jerusalem. Früher verbrauchte das Kibbuz für den Anbau von Kiwis 100 Kubikmeter Wasser pro Hektar Anbaufläche. Später baute das Kibbuz Äpfel an, um den Verbrauch auf 75 Kubikmeter zu senken. Mittlerweile verbraucht Tzuba nur noch 20 Kubikmeter pro Hektar – mit dem Anbau von Weintrauben. Heute verkauft das Kibbuz Tzuba acht Sorten Wein anstatt Kiwis. Dennoch muss festgehalten werden, dass in Israel 50 Prozent des Wassers derzeit immer noch für die Landwirtschaft verschwendet werden, die nur zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht.

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