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Jeansproduktion in China

Abwasser ChinaDie schnell wachsende Wirtschaftsleistung Chinas in den letzten drei Jahrzehnten benötigte jede Menge Ressourcen – so auch Wasser. Da vor allem in den ländlichen Gebieten des riesigen Reiches Infrastrukturen fehlen, nehmen dort der Wasserverbrauch und die Verschmutzung riesige Ausmaße an. Wegen giftiger Industrieleitungen, die in Flüsse führen, und fehlender Kläranlagen sterben jährlich 66.000 Menschen durch verschmutztes Trinkwasser. China hat gleich zwei Probleme mit dem blauen Gold. Zu wenig Wasser, sowohl in den Großstädten als auch auf dem Land, und die starke Verschmutzung des Wassers. Die Textilindustrie ist hierbei einer der größten Umweltsünder. China hat es geschafft, zum größten Jeansproduzenten der Welt aufzusteigen. Der jährliche Umsatz wird auf einen zweistelligen Euro-Milliardenbetrag geschätzt. Den Preis dafür zahlen die Arbeiter und die Umwelt. Das Ballungszentrum der Textilindustrie ist in der Provinz Guandong, durch die der Perlfluss (Pearl River) fließt. Die Stadt Xintang in der Provinz Guandong gilt als Hauptstadt der Blue Jeans mit einer jährlichen Produktionsmenge von 260 Millionen Stück.

Noch vor zehn Jahren war Xintang eine Ansammlung mehrerer Dörfer, kleiner Seen und Felder. Heute stehen hier mehr als 5.000 Textilfabriken, die jeden Schritt bei der Produktion von Jeans abdecken. Produziert wird rund um die Uhr und die Arbeitsbedingungen sind menschenverachtend. Bei der herkömmlichen Textilproduktion wird die Kleidung erst gewebt und anschließend gefärbt. Bei der Produktion von Denim Jeans genau andersherum. Die Arbeiter legen das Garn ohne Schutzkleidung und Atemschutz in offene Färbewannen. Je dunkler der Stoff werden soll, desto mehr Chemikalien werden benötigt. Damit die Ballen die Farbe besser aufnehmen, kommt Ätznatron und Säure dazu. Dann wird der Stoff gewebt, zugeschnitten und zu einer Jeans zusammengenäht. Die Jeans kommt zur weiteren chemischen Behandlung in die Wäscherei.

In den riesigen Waschmaschinen wird mithilfe von Bleiche, Enzymen und Bimssteinen das Indigo gebrochen. Anschließend werden die Jeans zum Trocknen in einen Raum mit 40 Grad gebracht. Für den Vintage Look, also auf alt getrimmt, werden die Jeans mit Schleifmaschinen bearbeitet, die von der Decke hängen. Die Arbeiter müssen dies meist alles ohne Atemschutz oder Schutzkleidung machen. Genauso wie in Xintang wird in Gurao gearbeitet. Dort werden vor allem BH´s hergestellt, was der Stadt den Beinamen “the sexy city” einbrachte. Dort werden jährlich etwa 200 Millionen BH produziert. Alle Flüsse in der Provinz Guandong sind durch die Textilindustrie verseucht. Greenpeace hat mit dem Chemieexperten Mariah Zhao die Region von April bis September 2010 bereist.

In ihrem Bericht Intimate Pollution, der am 30. November in Peking veröffentlicht wurde, wurden die Ergebnisse zusammengefasst. Die Sediment- und Wasserproben, die in der Umgebung der beiden Städte genommen wurden, weisen hohe Mengen an Schwermetallen auf. Allein der Cadmiumgehalt überschreitet 128 Mal die Richtwerte. Kupfer und Blei sind ebenfalls in hoher Konzentration nachgewiesen worden. Neben den Schwermetallen gelangen durch das Bleichen, Waschen und Bedrucken von Textilien Unmengen gesundheitsschädlicher Dauergifte wie Nonylphenol, Octylphenol und perfluorierte Sulfonate (PFOS) in die Flüsse. Welche Gifte noch alles in den Gewässern enthalten sind, kann zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gesagt werden. Die Zeit zum Handeln ist jedenfalls längst da. „Es ist wichtig, dass China sich darüber klar wird, dass Xintang und Gurao nur Beispiele für das Gesamtproblem der schmutzigen Textilproduktion sind“, erklärt Chemieexperte Zhao. Denn Xintang und Gurao sind nur zwei von 133 Ballungszentren der Textilindustrie.

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