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Mineralwasser und Bier mit Plastikfasern verunreinigt

Im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ wurden beliebte Mineralwässer und bekannte Biersorten auf mikroskopisch kleine Plastikfasern untersucht. Keine der Proben war völlig frei von Mikrofasern. Sie werden zunehmend zu einem generellen Umweltproblem, denn woher diese Verunreinigungen kommen ist bekannt, nur lässt sich die fortlaufende Verunreinigung nicht beseitigen.

Im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ wurden beliebte Mineralwässer und bekannte Biersorten auf mikroskopisch kleine Plastikfasern untersucht. Keine der Proben war völlig frei von Mikrofasern. Mikroplastik wird zunehmend zu einem generellen Problem

Getestet hat Professor Gerd Liebezeit von der Laboranalyse-Firma MarChemConsult und vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg die meistverkauften Biersorten und drei Mineralwässer. Alle Biere waren in Glasflaschen abgefüllt, und die Mineralwässer stammen von den drei Discountern Lidl, Aldi und Penny.

Zu erkennen sind die sehr feinen Plastikfasern nur unter dem Mikroskop, obwohl manche sogar bis zu drei Millimeter lang sind. Das Mineralwasser von Penny „Marinusquelle Elitess“ enthielt fünf Plastikfasern pro Liter, und das Mineralwasser „Quellbrunn“ von Aldi Nord war mit sieben Plastikfasern pro Liter der Spitzenreiter. Am besten schnitt das Mineralwasser „Saskia“ von Lidl mit vier Plastikfasern pro Liter ab. Bei den Bieren waren die Verunreinigungen ungleich schwerwiegender. Becks (33 Plastikfasern/Liter), Veltins und Krombacher (42 Plastikfasern/Liter), Warsteiner (46 Plastikfasern/Liter) sowie Paulaner (70 Plastikfasern/Liter) wiesen das Zigfache an Plastikfasern gegenüber den Mineralwässern auf. Dazu entdeckten die Forscher in den Bieren noch teilweise Fragmente aus zerfallenem Plastikmüll beziehungsweise Plastikkügelchen.

Die Wissenschaftler haben als Ursache sogenannte Fleecestoffe aus Textilien im Verdacht, die beim Waschen in der Waschmaschine über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Die Kläranlagen können diese anscheinend nicht vollständig herausfiltern. Von dort gelangen sie bei der Getränkeproduktion in die Flaschen. „Eine mögliche Quelle könnte Klärschlamm sein. Also das, was bei der Wäsche in die Kanalisation gelangt, in den Kläranlagen nicht oder nicht vollständig zurückgehalten wird und in den Klärschlamm gelangt. Der Klärschlamm, der immer noch als Dünger verwendet wird, trocknet auf den Feldern aus, und diese Fasern, von denen man weiß, dass sie in dem Klärschlamm enthalten sind, werden dann eben ausgeblasen und in der Luft transportiert“, so Professor Liebezeit gegenüber dem NDR.

Der Großteil unserer Kleidung besteht heute aus synthetischen Fasern. Polyester ist eine synthetische Faser, die sehr häufig in der Textilindustrie eingesetzt wird. Nach Angaben einer britischen Studie gelangen pro Waschgang und Kleidungsstück etwa 1.900 Plastikfasern in das Abwasser. Beim Trocknen auf der Wäscheleine gelangen noch mehr Mikrofasern über den Wind in die Umwelt. Mikroplastik entwickelt sich zunehmend zu einem generellen Problem in der Umwelt, doch scheinbar interessiert es die Behörden noch nicht. Auf Nachfrage des NDR beim Bundesinstitut für Risikobewertung kam als erste Antwort, dass Mikroplastik ungefährlich sei. Konkrete Studien konnte das Bundesinstitut allerdings nicht nennen. Auf weitere Nachfrage des NDR per E-Mail erklärt das Ministerium: „Dem BfR liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse zum Vorkommen von Plastikpartikeln in der Umwelt vor.“ Deshalb sei eine Bewertung eventueller Gesundheitsrisiken, die sich aus der Aufnahme solcher Plastikpartikel ergeben könnten, nicht möglich.

Das gilt leider zurzeit auch für die Wissenschaft. Weder sind Auswirkungen auf die Umwelt hinlänglich bekannt, noch sind die Folgen für den Menschen ausreichend erforscht. Die Wissenschaft würde das gerne ändern, aber wenn in der Vergangenheit sogar Forschungsaufträge über Mikroplastik abgelehnt wurden, verwundert es nicht, dass keine Bewertung möglich ist, obwohl sie dringend nötig wäre. „Wir haben das synthetische Material weiträumig festgestellt, nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in der Luft“, so Professor Liebezeit gegenüber dem NDR.

Die Anfrage des NDR an das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für ein Interview wurde abgelehnt und auf das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verwiesen. Das Ernährungsministerium verweist wiederum auf das Umweltministerium. Scheinbar ist kein Ministerium für Mikroplastik in der Umwelt und in Nahrungsmitteln verantwortlich und schiebt den schwarzen Peter jeweils dem anderen Ministerium zu.

Allerdings gibt es schon einzelne Untersuchungen über die potenzielle Gefahr durch Mikroplastik. Professor Stephan Pflugmacher Lima, Ökotoxikologe vom Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin, erforscht an Muscheln eine mögliche Gefährdung durch Mikroplastik. „Wir sehen ganz deutlich eine Anreicherung von Plastikpartikeln in der Muschel selber. Wenn das zu viele werden, dann kann das zu sehr großen Schäden in der Muschel führen, was bis zum Tod des Organismus gehen kann“, erklärt Professor Stephan Pflugmacher Lima. Die Wissenschaftler konnten in der anschließenden Analyse feststellen, dass die Muscheln mit Stress auf die Vergiftung mit Plastikpartikeln reagierten, und sehen damit auch eine potenzielle Gefahr beim Menschen. „Im Magendarm, in den Darmzotten, ist genug Platz, dass sich Partikel beispielsweise auch dort ablagern können, was dann für uns auch nicht gut wäre. Und so denke ich mal, dass man schon extrapolieren kann, dass Plastik oder Mikroplastik auch für uns Menschen eine Gefahr darstellt, früher oder später.“

Und was sagen die Getränkehersteller? Der Deutsche Brauer-Bund antwortet dem NDR TV-Format Markt: „Ihre Anfrage an verschiedene Brauereien hatten diese zum Anlass genommen, ihrerseits bei mehreren renommierten unabhängigen Instituten wie etwa der TU München eingehende Untersuchungen in Auftrag zu geben. Diese eingehenden und aufwändigen, mehrtägigen Untersuchungen weisen nach, dass sich in den vom NDR untersuchten Bieren, aber auch in dem zum Brauen verwendeten Wasser keinerlei Mikroplastikfasern finden ließen. Aus diesem Grund weisen wir die von Ihnen getroffenen Aussagen erneut entschieden zurück.“ Man behalte sich auch rechtliche Schritte gegen die Behauptungen des NDR vor, erklärte Marc-Oliver Hunholz, Pressesprecher des Verbands. Die Mineralwasser-Hersteller äußerten sich ähnlich. Ihre genauen Untersuchungsmethoden legten sie gegenüber Markt nicht offen.

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