Der große Fracking-Trugschluss

Das Fracking sollte für die USA zum Heilsbringer werden. Das erklärte Ziel war der größte Gasexporteur der Welt zu werden. Fracking sollte die klammen Kassen füllen und die Wirtschaft mit billiger Energie antreiben. Daraus wird wohl nichts, denn die Prognosen waren viel zu optimistisch. Schon 2020 wird die höchste Fördermenge erreicht, danach geht’s bergab.

Die allgemeine Stimmung in den USA war 2012 geradezu euphorisch anlässlich Präsident Obamas „Rede zur Lage der Nation“, denn „die USA sitzen auf Erdgasreserven für die nächsten 100 Jahre“. Selbst die sonst verfeindeten Republikaner und Demokraten waren sich in diesem Punkt einig. Fracking wird Amerika wieder ganz nach vorne bringen. Es wird die Vereinigten Staaten unabhängig von Energieimporten machen, die Wirtschaft wird dank billiger Energie boomen und es ist so viel Gas da, dass Amerika der weltgrößte Gaslieferant wird.

Ökonomen rechneten mit Investitionen von einigen hundert Milliarden Dollar in die Fracking-Industrie und weitere Milliarden für die Anlagen zur Verschiffung des Gases nach Europa, Asien und Südamerika. Die Grundlage dieses Optimismus ist die Annahme, dass die Fördermengen noch Jahrzehnte lang gesteigert werden können. Jedenfalls nach Angaben der Energy Information Administration (EIA), wonach im Boden Ressourcen von 23 Billionen Kubikmeter schlummern. Direktor Adam Sieminski erklärte letztes Jahr, dass die Produktion noch bis 2040 jährlich erhöht werden könnte und bis dahin um 56 Prozent wachsen werde.

Der Fracking-Boom begann im Jahre 2.000 als Gas immer teurer wurde. Bis dahin lohnte sich das wirtschaftlich teure Verfahren der Schiefergasförderung nicht. Zudem kam ein Technologiesprung der es ermöglichte die senkrechte Bohrung umzulenken und mehrere horizontale Bohrungen durchzuführen. Zwischen 2.000 und 2012 stieg die Förderung von Schiefergas in den Vereinigten Staaten von 23 Millionen auf 712 Millionen Kubikmeter pro Tag. Kein Wunder, dass die Euphorie groß war in der Annahme es könnte die Fördermenge noch jahrzehntelang gesteigert werden.

Die Prognosen haben sich als falsch erwiesen. Experten der University of Texas zeichnen mit ihrer in der „Nature“ veröffentlichten Studie „Erdgas: Der Fracking-Irrglaube“ ein anderes Bild. “Die Vereinigten Staaten verlassen sich auf Jahrzehnte mit reichlich Erdgas, um ihre wirtschaftliche Auferstehung zu befeuern. Doch das könnte Wunschdenken sein“, ist darin zu lesen. Die Einschätzungen wurden viel zu hoch angesetzt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung völlig daneben liegt. 2008 erklärte sie noch die Produktion von Erdgas, welches ein Viertel des US-Energiebedarfs bedient, würde für Jahrzehnte auf dem Level bleiben.

Der Fehler der von der Regierung und der Energy Information Administration herausgegeben Zahlen liegt an den groben Schätzungen der großen Schieferformationen, die auch auf andere Gebiete übertragen wurden. Zwei Analysten der Energy Information Administration räumten ein, dass ihre Messmethode Probleme aufwerfe. Geowissenschaftler, Erdölingenieure und Ökonomen haben drei Jahre lang die Daten für die neue Studie zusammengetragen. Die Analysen der Schieferformationen sind wesentlich detaillierter. Während die Energy Information Administration die Gebiete in 1.000 Quadratmeilen aufgeteilt hat und die ertragreichen Sweet Spots, also besonders ertragreiche Gasquellen, auf alle anderen Bohrlöcher hochgerechnet hat, haben die Wissenschaftler der University of Texas die Bereiche auf eine Quadratmeile aufgeteilt. Somit erhielten sie ein 20-mal genaueres Ergebnis. Die Daten zeigen, dass es schon 2020 zum höchsten Niveau der Fördermengen kommen wird und danach geht es bergab.

Die vier großen Schiefergas-Formationen Marcellus, Haynesville, Fayetteville und Barnett der USA werden bis 2030 nur die Hälfte von dem Erdgas fördern was die Energy Information Administration berechnet hat. „Eine schlechte Nachricht“ ist das Ergebnis sagt Tad Patzek, preisgekrönter Leiter der Abteilung Erdöl- und Geosystemtechnik an der University of Texas in Austin und Mitglied des Teams, das die detaillierten Analysen auswertete. Für die Unternehmen, die versuchen schnell und viel Erdgas für den Export zu fördern, “müssen wir ein größeres Fiasko befürchten”. Die Staaten die mit billigem Gas aus den USA gerechnet haben oder mit dem Gedanken spielten ihr eigenes Schiefergas anzuzapfen, müssen ebenfalls umdenken. Die Investitionen von Milliarden Dollar in das Fracking machen vor den neusten Erkenntnissen wenig Sinn.

„Wenn es so aussieht, als ob es in den USA in Tränen endet, wäre das sicherlich von Einfluss auf die Begeisterung in verschiedenen anderen Teilen der Welt”, sagt Ökonom Paul Stevens von Chatham House, ein Think Tank in London. Die USA wird ihre Energie-Strategie neu überdenken müssen und sich mit dem Thema Import statt Export beschäftigen müssen. Andere Staaten werden sich ebenfalls nach Alternativen umsehen müssen, denn die USA wird nicht das liefern können, was sie vor kurzem noch dachte. Es bleibt zu hoffen, dass erneuerbare Energien dadurch wieder mehr in den Fokus rücken, denn dann hätte der Fracking-Irrtum etwas Gutes.

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