Glas-Flasche-Wasser

In der Juni-Ausgabe der Stiftung Warentest wurden 20 Mineralwässer unter mehreren Kriterien analysiert. Keines bekam das Prädikat ‚sehr gut‘, trotzdem überzeugen laut der Verbraucherschutzorganisation die meisten. Drei der 20 getesteten Mineralwässer schnitten schlecht ab. Sie wiesen oberirdische Verunreinigungen auf.

Diesmal hat die Stiftung Warentest ihren Fokus auf 20 regional bedeutende Mineralwässer von Markenanbietern gelegt. Davon waren 10 mit mittlerem und 10 mit viel Kohlensäure. 13 Mineralwässer waren in PET-Flaschen und sieben in Glasflaschen abgefüllt. Getestet wurden neben den Inhaltsstoffen auch andere Kriterien. Die mikrobiologischen Analysen wurden nach dem Untersuchungsverfahren der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) durchgeführt, wozu Coliforme Keime, E. coli, Faekalstreptokokken, Pseudomonas aeruginosa, sulfit - reduzierende sporenbildende Anaerobier, und Koloniezahl gehören. Zusätzlich wurde auf aerobe Keime untersucht sowie Tests für Hefen und Schimmelpilze durchgeführt.

Bei der sensorischen Beurteilung untersuchten acht geschulte Prüfpersonen nach DIN 10964 das Aussehen, den Geruch, den Geschmack sowie das Mundgefühl. Ausschlaggebend für die Beurteilung war die Intensität der Fehler (abweichende Ausprägungen). In der Untersuchungsreihe für oberirdische Verunreinigungen wurden Methoden gemäß DIN 38407-36 und -41 per LC-MS/MS beziehungsweise per Gaschromatografie-Massenspektrometrie nach Headspace-Festphasenmikroextraktion angewendet. Etwa 70 Substanzen, wie beispielsweise Süßstoffe, Arznei-, Röntgenkontrast- sowie Pflanzenschutz-, Korrosionsschutz- und Antiklopfmittel. Ein guter Indikator für verunreinigte Quellen sind stabile Süßstoffe, die aus der Nahrung über die Abwässer erst in das Grundwasser und anschließend in tiefere Erdschichten gelangen.

Auch die Mineralzusammensetzung und –menge war Bestandteil dieses Tests. Diese wurden gemäß DEV- oder DIN-Verfahren durchgeführt. Dazu gehören elektrische Leitfähigkeit, pH-Wert, Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Ammonium, Arsen, Kadmium, Chrom, Quecksilber, Nickel, Blei, Antimon, Selen, Sulfat, Barium, Chlorid, Hydrogenkarbonat/Karbonat, CO2, m- und p-Wert, Nitrat, Nitrit, Phosphat, Borat, Fluorid, Bromid, Bromat, Jodid, gelöster organischer Kohlenstoff, leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe. Zusätzlich wurden die Mineralwässer per ICP/MS auf Uran und Thallium sowie per IC-ICP-MS auf Chrom VI getestet. Zuletzt legten die Prüfer ihr Augenmerk auch auf die Deklaration und prüften diese gemäß den lebensmittelrechtlichen Vorschriften. Auch Lagerungs- und Trinkempfehlungen, Werbeaussagen, Leserlichkeit und Übersichtlichkeit der Angaben wurden bewertet.

Das Testergebnis

Mineralbrunnen assoziieren ihre Mineralwässer beim Verbraucher gerne mit Natürlichkeit, Tradition und Regionalität. Auf der Internetseite des Extaler Mineralquell wird die besondere Mineralisierung ihres Produktes „der Geologie des Weserberglandes“ zugesprochen. Das Wasser von Rheinfels Quelle ist nach Aussage des Etiketts „unterhalb des Naturschutzgebiets Rheinaue“ entstanden. Bei dem Test haben nach den Kriterien der Stiftung Warentest nur sechs Mineralwässer in allen Kriterien einwandfrei abgeschlossen. Zwei waren für immungeschwächte Menschen bedenklich, drei wiesen oberirdische Verunreinigungen auf und einige hatten einen fremdartigen Geschmack.

Bei Harzer Grauhof Medium, Original Selters Classic und Glashäger Classic konnten die Prüfer oberirdische Verunreinigungen wie Süßstoffe, Abbauprodukte von Pestiziden und Korrosionsschutzmitteln nachweisen. Die Konzentrationen waren im Nanobereich, weshalb keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr bestehe. Allerdings sind das Hinweise, dass die Brunnen nicht gut genug geschützt sind. „Anthropogene, also vom Menschen eingetragene Substanzen dringen beispielsweise in eine Mineralwasserquelle ein, wenn ihr Brunnen fehlerhaft ausgebaut ist und oberflächennahes Wasser zuströmt“, sagt der Hydrogeologe Dr. Arnold Gawlik, zuständig für die Beurteilung von Mineralwasser beim geologischen Dienst Nordrhein- Westfalen, gegenüber Stiftung Warentest.

Stiftung Warentest untersuchte die Mineralwässer mit Hightech-Analytik, wodurch der Nachweis von kleinsten Mengen möglich ist. In keinem Wasser wurden Arzneimittelrückstände oder Röntgenkontrastmittel gefunden. Allerdings fanden sich Spuren eines Korrosionsschutzmittels in Glashäger Classic und Original Selters Classic. Das Selters Mineralwasser wies zudem die Süßstoffe Acesulfam-K und Cyclamat auf. Die größten Verunreinigungen mit oberirdischen Verunreinigungen hatte Harzer Grauhof Medium. Dort fanden sich neben den beiden Süßstoffen auch ein Pilz- und vier Unkrautvernichtungsmittel, die im Raps-, Rüben- und Maisanbau eingesetzt werden. Mit einem Nachweis von 200 Nanogramm pro Liter übersteigen zwei der vier Herbizide den Orientierungswert von 50 Nanogramm/Liter um das Vierfache, sind allerdings noch in den für den Gesundheitsschutz empfohlenen Limits. Daher erhalten die beiden Mineralwässer Harzer Grauhof Medium und Glashäger Classic bei der Deklaration noch die Note ausreichend. Als mangelhaft wird allerdings Original Selters Classic bewertet, den auf dem Etikett steht: „Inbegriff für Ursprünglichkeit und Reinheit“.

Für Uran gibt es keinen Grenzwert in der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Ein Grenzwert von 2 Mikrogramm/Liter gilt nur für Mineralwässer, die für Säuglingsnahrung ausgelobt wird. Je nach Region ist natürliches Uran unterschiedlich stark in den Böden vertreten. In der Mitte und dem Süden Deutschlands ist in der Regel mehr Uran im Boden enthalten. Bei jedem zweiten Mineralwasser wurde im Test Uran nachgewiesen. Die beiden uranreichsten Wässer Abenstaler Quelle Spritzig und Extaler Mineralquell Classic enthalten jedoch deutlich weniger Uran, als der in der Trinkwasserverordnung festgesetzte Grenzwert von 10 Mikrogramm/Liter.
Stiftung Warentest untersuchte die 20 Mineralwässer erstmals auf Chrom (VI). Anders als Chrom (III) ist Chrom (VI) wasserlöslich und wurde vom Umweltbundesamt 2014 als erbgutverändernder, krebserregender Stoff eingestuft. Wiederum gibt es keinen Grenzwert in der Mineral- und Tafelwasserverordnung, doch für Trinkwasser wurde eine vorläufige Risikoeinschätzung gegeben. Das Umweltbundesamt sieht einen lebenslangen akzeptablen Leitwert von 0,3 Mikrogramm/Liter als unbedenklich und stützt sich auf Untersuchungen von Schadwirkungen von Chrom (VI) aus den USA. Mit einem durchschnittlichen Wert von 0,26 Mikrogramm/Liter ist das Thüringer Waldquell Medium nah an der Höchstmenge der vorläufigen Risikobewertung des Umweltbundesamtes.

Bei der biologischen Untersuchung haben alle Wässer die Kriterien der Mineral- und Tafelwasserverordnung eingehalten, die da lautet: „Natürliches Mineralwasser muss frei sein von Krankheitserregern“. In einer mikrobiologischen Zusatzprüfung wurde nach potenziell krankmachenden Keimen gesucht. Im Christinen Medium wurden Corynebakterien, bei Harzer Grauhof Medium kritische Staphylokokken nachgewiesen. Diese beiden Wässer könnten für immungeschwächte Menschen problematisch sein und sollten sicherheitshalber abgekocht werden. Im sensorischen Test schnitten vor allem die PET-Flaschen schlecht ab. Bei vier Wässern wurden Kunststoffnoten oder eine fruchtige Süße des Kunststoffbestandteils Acetaldehyd festgestellt. Eine zitronige Fremdnote wies das in der Glasflasche abgefüllte Fürst Bismarck Classic auf.

Was der Verbraucher von Mineralwasser erwartet hat die Stiftung Warentest in einer deutschlandweiten repräsentativen Umfrage ermittelt. So erwarten 67 Prozent der Befragten mehr Mineralien im Mineralwasser als im Trinkwasser. Genauso viele erwarten, dass Mineralwasser sauberer ist als Trinkwasser und für 78 Prozent muss Mineralwasser absolut keimfrei sein. Mit 91 Prozent sind sich die Verbraucher ziemlich eindeutig einig, dass ein natürliches Mineralwasser keine Verunreinigungen aus der Umwelt, wie Rückstände von Arzneimitteln, Pestiziden oder Süßstoffen, enthalten darf.

Während im Trinkwasser die Wasserbetriebe verpflichtet sind unerwünschte Fremdstoffe herauszufiltern, erlaubt dies die Mineral- und Tafelwasserverordnung nicht. Nach den Kriterien der MTVO muss ein natürliches Mineralwasser von natürlicher Reinheit sein. Dazu gehören auch oberirdische Verunreinigungen wie der Verwaltungsgerichtshof des Landes Baden-Württemberg entschieden hat.

Der Verwaltungsgerichtshof des Landes Baden-Württemberg erklärte, dass chemische Verunreinigungen sich nach der Mineralwasser-Richtlinie 2009/54/EG allein auf den Vorgang des Abfüllens beziehen. Eine „Verunreinigung“ sei demnach eine Veränderung des Wassers, also ein Einwirken auf seine Eigenart und Einwandfreiheit. Damit greife das Argument eines Eintrags von Metaboliten nicht. Da unterirdische Mineralwasservorkommen ein Teil des Wasserkreislaufs seien, zählten demnach nur „wesentliche Verunreinigungen“. Außerdem müsse es genau wie für mikrobiologische Belastungen Grenzwerte für chemische Belastungen geben. Die gebe es jedoch derzeit nicht. Des Weiteren schließe Artikel 11 der Mineralwasser-Richtlinie 2009/54/EG nationale Regelungen aus, und Artikel 12 verlagere die Regelungskompetenz allein auf die EU. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Mineral- und Tafelwasserverordnung sei keine geeignete Rechtsgrundlage für ein Tätigwerden der Behörden. Ganz davon abgesehen habe die Mineral- und Tafelwasserverordnung keine Grenzwerte für Metabolite, sondern nur für Pflanzenschutzmittel (Pestizide) selbst.

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