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Wasserhahn-Glass

Die Sulfatbelastung der Berliner und Brandenburger Gewässer ist extrem hoch. Nun kommen die Sulfate vom Braunkohletagebau in der Hauptstadt an. Schnelles Handeln ist gefragt, um Gegenmaßnahmen einzuleiten.  Dafür wurde ein Krisengipfel geplant, der sich der Sache annimmt. Hoffentlich nicht viel zu spät.

Der Krisengipfel wegen der dramatisch hohen Sulfatbelastung in den Berliner und Brandenburger Gewässern ist für November geplant. Nach Angaben der Sprecherin der Berliner Umweltverwaltung Petra Rohland werden die Staatssekretäre das Thema besprechen. Es werde noch in diesem Jahr ein „konkreter Maßnahmen-Katalog gegen erhöhte Sulfat-Werte“ fertiggestellt sein, wie sich Berlins Umwelt-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) äußerte. Ob Vertreter aus Sachsen an dem Krisengipfel teilnehmen ist noch offen. Sulfate sind nicht unbedenklich für die Gesundheit. „Sie können bei kranken und älteren Menschen sowie Kindern zu Durchfall und Erbrechen führen“, warnt Carmen Schulze, Sprecherin der Umweltorganisation BUND.

Die Problematik an sich ist nichts neues. Seit 1996 sind die hohen Sulfat-Werte in Dahme, Müggelspree und Stadtspree laut Umweltverband BUND bekannt. Auch der Verursacher ist bekannt. Die Sulfat-Salze gelangen durch das eingeleitete Grubenwasser des Braunkohletagebaus in der Lausitz in die Oberflächengewässer und Flüsse. Gleichzeitig wird das Uferfiltrat der Spree vielerorts für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung genutzt. Die Tiefbrunnen in Ufernähe erzeugen einen Sog, bei dem das Oberflächenwasser in das Grundwasser gelangt. Die natürliche Filtrierung durch die Boden- und Gesteinsschichten hat bisher in der Regel dafür gesorgt, dass der Grenzwert von 250 Milligramm/Liter nur selten und vereinzelt überschritten wurde.

Die über Jahre steigende Konzentration von Sulfaten stellt erste Wasserversorger vor Probleme. Bereits vor einem Jahr kündigte das Wasserwerk Briesen (Oder-Spree) an, kein Spreewasser mehr zur Trinkwasser-Aufbereitung zu verwenden, sondern ausschließlich Grundwasser. In Brandenburg sind die Konzentrationen derzeit wesentlich höher als in Berlin. 2014 wurden in der Spree Werte von bis zu 600 Milligramm pro Liter gemessen. In Berlin liegt der Spitzenwert mit 280 Milligramm pro Liter mit einer Überschreitung von 30 Milligramm noch im Bereich „leicht erhöht“. „Die Werte schwanken, und kurzfristige Überschreitungen stellen kein Problem dar, sagte Petra Rohland.

„Die Welle rollt auf Berlin zu“, sagte BUND-Sprecherin Carmen Schultze und spricht aus was viele Umweltschützer befürchten. Damit wäre die Trinkwasserqualität der Berliner Bürger nicht mehr ausreichend gesichert, außer es würde für neue Infrastrukturen in der Wasseraufbereitung gesorgt. Damit sind Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verbunden. Allein für das Wasserwerk im Stadtteil Berlin-Friedrichshagen würden jährliche Mehrkosten von bis zu 30 Millionen veranschlagt werden müssen. Das könnte Mehrkosten von 20 bis 50 Cent pro Kubikmeter für die Berliner Verbraucher verursachen, wie Jens Feddersen, Versorgungsleiter der Berliner Wasserbetriebe betont. Die Mehrkosten einfach auf die Verbraucher abzuwälzen sieht der BUND als falsche an. „Die Politik darf die Kosten für Umweltschäden nicht auf die Allgemeinheit umlegen“, so Schultze vom BUND. Die Kosten hat der Verursacher zu tragen. Außerdem müsse mit dem umweltfeindlichen Braunkohletagebau aufgehört werden und neue Tagebau-Genehmigungen dürften nicht mehr erteilt werden.