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Klonfabrik-China-Klonkühe

China geht drastische Wege bei der Sicherung der Lebensmittelversorgung. In der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin wird derzeit die größte Klon-Fabrik der Welt gebaut. Rinder, Hunde und sogar Rennpferde sollen in Serie geklont werden. Die Fabrik will eine Millionen Rinder aus dem Reagenzglas erschaffen. Kritiker schlagen Alarm.

 

Schon seit Jahren arbeiten in China Zehntausende Wissenschaftler an den unterschiedlichsten Klonprojekten. Mit der neuen Fabrik in Tianjin geht die Klonforschung in die industrielle Serienreife im großen Stil. Anfangs sollen 100.000 Rinder geklont werden. Außerdem sollen Hunde und Rennpferde aus der Retorte produziert werden. Hinter dem ambitionierten Projekt zum industriellen Klonen von Haus- und Nutztieren steckt ein zweifelhafter Gentechniker und überführter Fälscher.

Die Kosten für den Bau der Klon-Anlage belaufen sich auf 200 Millionen Yuan (29,4 Millionen Euro). Sie wird Klonlabore und eine Gen-Datenbank enthalten, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua verkündete. Schon im kommenden Jahr werden Haus- und Nutztiere in Serie produziert. Xu Xiaochun, der Chef der beteiligten chinesischen Biotech-Firma Boyalife, erklärte das Anfangs 100.000 Klon-Rinder produziert werden, die Kapazität im späteren Verlauf auf eine Millionen Rinder steigen soll.

Die Nachfrage nach Rindern und Milch steigt in China rasant. Die einheimischen Bauern können den erheblichen Bedarf der chinesischen Bevölkerung nicht befriedigen. Die Bauern haben Mühe ausreichend Rinder zu züchten. Vor 20 Jahren noch waren Milchprodukte eine Rarität im täglichen Speiseplan von Chinesen. Heute ist Nachfrage nach Milch- und Milchprodukten enorm. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich der pro Kopf Verbrauch auf 30 Liter Milch verdoppelt. Schätzungen zufolge wird innerhalb der nächsten 10 Jahre mit einer weiteren Verdoppelung auf 60 Liter pro Kopf gerechnet. Auf natürliche Weise lässt sich der wachsende Markt mit der Nachfrage nicht sicherstellen. Rinder zu klonen ist die Antwort für dieses Problem.

Zurzeit muss China wegen dem zu kleinen heimischen Bestand Hunderttausende Rinder aus Australien, Neuseeland, USA und Europa importieren. Diese Rinderrassen sind leider nicht an das Klima angepasst und produzieren daher weniger Milch. Daher ist China auch weiterhin von Milchimporten abhängig. Hinzu kommt der steigende Verzehr von Rindfleisch. Immer mehr Chinesen werden wohlhabender und können sich daher mehr und teurere Lebensmittel leisten. Neben Rindern sollen auch Hunde als Haustiere oder für den Polizeieinsatz als besonders gute Spürhunde entwickelt werden. Auch Katzen und Rennpferde sind bereits geplant. „Wir schaffen Ihnen das perfekte Haustier“, heißt es auf der Firmenwebseite von Boyalife. Professor für Lebensmittelkunde Zhu Yi von der landwirtschaftlichen Universität erklärte es gäbe „fast keinen Unterschied“ zwischen Klon-Fleisch und Fleisch aus natürlicher Zucht. Er mahnte jedoch, es müsse eine „rigorose Risikoeinschätzung“ geben und es seien wiederholte Tests nötig, bevor Unternehmen das Klon-Fleisch zum Verzehr anbieten. Für das Klonen von Tieren für kommerzielle Zwecke interessiert sich laut Boyalife eine steigende Zahl von Unternehmen.

Neben Boyalife ist auch südkoreanische Unternehmen Sooam Biotech an der Klon-Anlage beteiligt. Der Gründer von Sooam Biotech, Hwang Woo Suk, ist kein unbekannter in der Klon-Branche und genießt einen zweifelhaften Ruhm. Er hatte 2004 in der Fachpresse behauptet, er habe erstmals Stammzelllinien aus einem geklonten menschlichen Embryo entwickelt. 2005 wurde er mit dem Klonen eines Hundes bekannt. Der Untersuchungsausschuss der Universität Seoul konnte ein Jahr später nachweisen, dass die gesamte Forschung mit menschlichen Stammzellen gefälscht war und er ethisch fragwürdig vorgegangen war. Bekannt wurde er auch mit seiner Ankündigung in Zusammenarbeit mit den Russen ein Mammut zu klonen.

Das Gemeinschaftsunternehmen von Boyalife und Sooam klont bereits seit diesem Jahr Hunde. Sie produzierten in der kommerziellen Klonfabrik in der Shandong Provinz drei Hundewelpen der beliebten Rasse Do Khyi, auch als tibetanische Dogge bekannt. Sooam hatte letztes Jahr schon einen Klon-Erfolg mit einem Hund. Eine Britin wollte ein identisches Abbild ihres 12 Jahre alten Dackels. Der Service wird zukünftig knapp 75.000 Euro kosten, berichteten britische Medien. Anderswo wird ebenfalls schon erfolgreich geklont. So hat die Seoul National University dem südkoreanischen Zoll auf diesem Wege 2009 ein paar neue Drogenhunde beschafft.

Weltweit nimmt die Industrialisierung geklonter Haus- und Nutztiere zu. Züchter sichern sich so Kopien von ihren leistungsfähigsten Milchkühen mit den größten Eutern oder Rinder mit besonders schmackhaftem Fleisch. In Belgien haben Wissenschaftler Rennpferde erfolgreich entwickelt, die künftige Olympia-Sieger werden sollen. Die Pekinger Landwirtschaftsuniversität hat es geschafft, dass ihre genetisch veränderte und geklonte Kuh Niu Niu nun ihr erstes Kalb gebar. Niu Niu wurde gentechnisch so modifiziert, dass sie einen höheren Fettanteil in den Muskeln hat und somit besonders lecker schmecken soll.

Über das Pro und Kontra von Klon-Fleisch und Klon-Haustieren wird öffentlich nicht debattiert. Anders sieht es in den sozialen Medien aus. Viele sind beunruhigt und fürchten sich vor gesundheitlichen Schäden. Ein Nutzer hält es für „Wahnsinn“ Hunde zu klonen, wo doch schon heute etliche Hunde in China getötet werden, weil sie keiner will. Ein anderer schreibt: „Ist ja schön, dass die Staatsführung sich um das Wohlergehen des Volkes sorgt, doch die dürfe gerne zuerst zugreifen, wenn das Klon-Fleisch serviert wird“. Ein weiterer schreibt: „Erst schadet die Stadt Tianjin ihrer eigenen Bevölkerung, nun ganz China.“

Es hat den Anschein, dass China erstmal seine eigene Lebensmittelversorgung sicherstellen will. Es ist nichts darüber bekannt, ob das Klon-Fleisch auch in die EU oder gar nach Deutschlang importiert wird. Aber wie bei jedem technologischen Fortschritt werden die Verfahren des Klonens schneller, effizienter und günstiger. Es werden neue und noch größere Klon-Fabriken folgen und irgendwann wird das Klon-Fleisch günstiger sein als herkömmliches Fleisch. Die industrielle Massentierhaltung ist sowieso an ihre Grenzen gestoßen und ethisch sowie moralisch äußerst fragwürdig.

Schon heute nimmt China eine immer größere Rolle als Lebensmittellieferant für Europa ein. So wurden 2013 allein 62.000 Tonnen verarbeiteter Tomaten nach Deutschland importiert. Die List lässt sich endlos fortsetzen. Pilze, Knoblauch, Erdbeeren, Gewürze und vieles andere kommen aus dem Reich der Mitte auf den deutschen Teller. Der Verbraucher erkennt oftmals nicht woher die Lebensmittel kommen, denn für verarbeitete Lebensmittel besteht keine Kennzeichnungspflicht. Der Gigant China wird zunehmend den internationalen Lebensmittel Markt dominieren. Schon heute ist China zum größten Obst- und Gemüseproduzenten aufgestiegen. Im letzten Jahr produzierte der rote Drache 480 Millionen Tonnen frisches Gemüse. Exportiert wurden 4,4 Millionen Tonnen. An Obst wurden 220 Millionen Tonnen 2012 exportiert. In der globalen Rangliste für Frischgemüseexportwert ist China auf Platz vier und bei Frischobst auf Platz sieben. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass China auch als globaler Fleischlieferant in Zukunft eine große Rolle spielen wird.

In China selbst wird über die Nahrungsmittelsicherheit debattiert, nachdem sich die Lebensmittelskandale häufen. Es wurden falsch deklarierte, anderweitig manipulierte und teils gar giftige Fleischprodukte auf dem Fleischmarkt entdeckt. Es wurde Ratten- und Fuchsfleisch als Rind oder Hammel ausgegeben. Auch wurde Fleisch mit Wasser oder Chemikalien versetzt. Auch wurde giftiges, gesundheitsschädliches und mit Krankheitserregern gefunden. Die verunsicherten chinesischen Verbraucher greifen lieber zu ausländischen Lebensmitteln, sofern sie sich diese leisten können. Ob die Klon-Fabrik wirklich eine Lösung dafür sein kann, darf bezweifelt werden. Welche gesundheitlichen Konsequenzen und Schäden ein langfristiger Konsum von genveränderten Klontieren zu erwarten ist, kann keiner beantworten. Die Nahrungsmittelindustrie betritt hier wissenschaftliches Neuland. Es wird sich erst nach Jahren zeigen, ob dies ein Segen oder ein Fluch sein wird.