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Die Almtalgemeinde Scharnstein hat ein Trinkwasserproblem, dass es eigentlich nicht geben sollte. Das Problem mit der Verkeimung wurde im Zuge einer Routinekontrolle entdeckt. Die Gemeindebürger wurden alle per Brief über die Verunreinigung des Trinkwasser mit Kolibakterien informiert. Wie üblich wird zur Chlorierung gegriffen.

„Wir suchen die berühmte Nadel im Heuhaufen“, sagt Amtsleiterin Ilse Schachinger. Wie es zu der Verunreinigung kommen konnte ist völlig unbekannt. Seit Entdeckung des Problems, steht die Gemeindeverwaltung fortlaufend mit den sachverständigen Experten vom Land Oberösterreich in Kontakt und ist auf Ursachensuche, denn eigentlich galt eine Verunreinigung mit Bakterien als ausgeschlossen. „Wir dachten, es kann uns nichts mehr passieren, nachdem wir 2014 eine Ultraviolett-Anlage im Hochbehälter auf dem Dürnberg installiert haben. Das war offensichtlich eine Irrmeinung“, so Schachinger.

Das UV-Licht Bakterien abtötet, beobachteten Wissenschaftler erstmals 1878. Heute ist bekannt, dass ultraviolettes Licht mit Wellenlängen zwischen 200 und 280 Nanometer von den Molekülen des Bakterienerbguts stark absorbiert wird. Innerhalb von Millisekunden werden Bakterien vermehrungsunfähig. Bei 254 Nanometer ist diese Wirkung am stärksten. Lange Zeit war der Knackpunkt die viel zu kurze Lebensdauer entsprechender Strahler, doch mittlerweile ist die Technologie sehr gut ausgereift.

Woher kommen die Kolibakterien dann also?

Die Quellfassung für die Trinkwasserversorgung der betroffenen Gemeinden befindet sich in der Schrattenau. „Das ist eine Karstquelle. Dort gibt es Dolinentrichter, und wir hatten dort immer wieder Probleme, denn bei Starkregenereignissen wird da irgendetwas hineingeschwemmt. Das kann aus einer Pfütze sein, das kann auch eine verendete Maus sein oder ein Stück Wild“, so Schachinger. Bis zum neuen Hochbehälter Dürnberg ist die Leitung rund zweieinhalb Kilometer lang. Theoretisch könnte das Problem auch auf dem Weg entstanden sein. Wenn es da einen Riss hat, kann Oberflächenwasser eindringen“, so Schachinger weiter.

Im Hochbehälter wird das Wasser auf die drei Gemeinden Scharnstein, St. Konrad und Gschwandt verteilt. Die UV-Anlage ist technisch so eingestellt, dass sie bei zu hoher Bakterienanzahl im Wasser sofort abschaltet. „Das funktioniert auch“, beteuert Ilse Schachinger, „aber wie es sein kann, dass da trotzdem etwas durchschlüpft, das ist derzeit das große Rätsel.“ Die Gemeindebürger müssen jedenfalls das Wasser vorerst abkochen.

Wie in solchen Fällen üblich wird zudem mit Chlorierung des Wassers zwecks Desinfektion gearbeitet. Im Hochbehälter wird Chlordioxid eingesetzt. : „Übers Wochenende muss sich das im System verteilen. Nächste Woche werden neue offizielle Wasserproben gezogen, und dann schicken wir Stoßgebete zum Himmel, sodass wir vielleicht Freitag nächster Woche schon zur Bevölkerung sagen können: Jetzt könnt ihr das Wasser wieder ohne Abkochen trinken. Mehr können wir derzeit nicht tun“, so Schachinger.

 

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