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Die Proteste der Sioux Indianer in North Dakota gegen die geplante Öl-Pipeline ist zuletzt eskaliert. Die Sioux demonstrierten gegen die Zerstörung ihrer heiligen Grabstätten und sorgen sich die Trinkwasserversorgung für 17 Millionen Menschen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es zu einem Leck in der geplanten Pipeline kommt und den Missouri River verseucht.

Seit Wochen demonstrieren und wehren sich amerikanische Ureinwohner gegen den Bau einer Ölpipeline durch ihr Stammesgebiet. Medial wurde dem ganzen wenig Beachtung geschenkt, bis ein Hollywoodstar, der sich den Protesten anschloss, verhaftet und inhaftiert wurde. Seitdem ist der Protest der Sioux in den USA landesweit Thema in den Medien. Die US-Regierung bat das Unternehmen Energy Transfer Partners die Bauarbeiten freiwillig ruhen zu lassen, um die Situation zu entschärfen. Doch das Unternehmen ignorierte den Rat und nahm die Bauarbeiten wieder auf. Das Unternehmen berief sich auf die Entscheidung des US Court of Appeals in Washington, D.C., dass den von einem untergeordneten Gericht auferlegten Baustopp aufhob. Die Bauarbeiten sind seitens des Rechts wieder erlaubt. „Wir werden nicht aufgeben. Wir werden weiterkämpfen bis unser Land, unsere Menschen, unser Wasser und unsere heiligen Stätte vor dieser zerstörerischen Pipeline geschützt sind“, erklärte nach der Richterentscheidung Häuptling Dave Archambault II.

Präsident Obama wollte den Bau trotz bitten von Umweltschützern bisher nicht stoppen. Die potenziellen zukünftigen Präsidenten Donald Trump und Hillary Clinton haben sich bisher zu diesem Thema nicht geäußert. Der farbige Bürgerrechtler Jesse Jackson kam am Mittwoch nach North Dakota und unterstützte die Ureinwohner. Er werde unter allen Umständen mitdemonstrieren und „notfalls ins Gefängnis gehen“. Per E-Mail schrieb Reverend Jackson an Colorlines: „Die Stämme dieses Landes haben viel geopfert, damit dieses großartige Land aufgebaut werden konnte. Versprechen wurden gebrochen, Land wurde gestohlen und heilige Stätten entweiht. Der ‘Standin Rock Sioux Stamm“ kämpfen jetzt für ihr Recht auf sauberes Trinkwasser“.

Etwas Hoffnung erhalten die Sioux durch die US-Army, auch wenn sie in erster Linie eigene Interessen verfolgt. Nach Angaben des Ministeriums der US-Army, werde sie keine Arbeiten an der Pipeline in der Nähe des Truppengeländes bei Lake Oahe erlauben. In der Folge baten das US-Justiz- sowie das Innenministerium sämtliche Arbeiten in einem Radius von 30 Kilometern um den See bis auf weiteres einzustellen. Energy Transfer Partners äußerte sich bisher nicht zu der Bitte.

Die Vereinten Nationen unterstützen die Sioux bei ihrem Protest. Die Abteilung für Ureinwohner, Forum on Indigenous Issues, wand sich direkt an die US-Regierung mit der Aufforderung, ein „faires, unabhängiges und offenes Verfahren zu erlauben, um dieses ernsthafte Problem zu lösen und eine Eskalation von Gewalt und weitere Verletzungen von Menschenrechten zu verhindern“.

Die geplante Pipeline soll knapp 1900 Kilometer lang werden und führt durch vier Bundesstaaten. In North Dakota wird die Pipeline unter dem Missouri River durchführen und von den rund dort lebenden  8.000 Sioux heilige Grabstätten ihrer Urahnen und Gebetsorte zerstören. Die Ureinwohner sehen nicht nur ihre Trinkwasserversorgung gefährdet, sondern die von fast 17 Millionen Menschen, die durch den Fluss versorgt werden.

„Diese Pipeline geht durch das Land unserer Urahnen. Das wäre genauso, als ob man eine Ölleitung durch den Soldatenfriedhof Arlington bei Washington oder unter der St. Patrick Kathedrale in New York verlegen würde“, argumentiert  Dean DePountis, Anwalt des Standing Rock Stammes und Anführer des Protestes.

Energy Transfer Partners betont den höheren Nutzen des 3,7 Milliarden Projektes. „Die Pipeline macht die USA unabhängiger vom Import von Öl aus instabilen Regionen dieser Welt“, steht in einer offiziellen Erklärung. Die Pipeline würde von North über South Dakota, Iowa nach Illinois täglich 500.000 Barrel Öl transportieren. Es würden zudem 8.000 bis 12.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Für die Bundesstaaten kämen zusätzliche Einnahmen von schätzungsweise 150 Millionen Dollar hinzu. Für die Pipeline-Gegner steht der Nutzen in keiner Relation zu den Gefahren. „Die Frage ist doch nicht, ob diese Ölleitung undicht wird und den Missouri mit Öl verschmutzen wird“, sagt Häuptling Dave Archambault II. „Die Frage ist nur, wann das passieren wird.“

Dank der Unterstützung von Hollywood Stars hat sich der Protest mittlerweile zu einer Bewegung für die Ureinwohner und deren Rechte entwickelt. Neben großen Umweltorganisationen wie der Sierra Club und Greenpeace engagieren sich Stars wie Leonardo DiCaprio, Edward Norton, Sting, Evangeline Lilly, Mark Ruffalo und Jaden sowie Willow Smith, die beiden Kinder von will Smith, marschierten Seite an Seite mit den Aktivisten.

Schauspielerin Shailene Woodley (Divergent-Die Bestimmung, aktuell im Kino mit Oliver Stone-Film Snowden) protestierte mit rund 200 Indianern bei Cannon Ball in North Dakota. Wurde zuvor die Protestbewegung mit teilweise schweren Auseinandersetzungen mit den Behörden und Sicherheitsbeamten nur wenig wahrgenommen, änderte das sich schlagartig mit der am 10. Oktober via Facebook live übertragenen Polizeieinsatzes und der Festnahme von Hollywood-Star Shailene Woodley. Die Aufnahmen der Verhaftung und der Polizeibrutalität gegen die Aktivisten sahen mehr als drei Millionen Menschen. Nach Zeugenaussagen sind die Proteste an diesem Tag friedlich verlaufen. Dennoch wurden an diesem Tag mit Shailene Woodley 27 andere Demonstranten festgenommen. Dem Hollywoodstar wird Landfriedensbruch und Teilnahme an einer gewalttätigen Demonstration vorgeworfen. Nach einer Nacht im Gefängnis kam die 24-jährige gegen 500 Dollar Kaution wieder auf freien Fuß.

Woodley verhaftet

Letzten Donnerstag kam es zum Höhepunkt der Gewalteskalation. Die Lage verschärfte sich deutlich, nachdem das Protestcamp durch die Polizei geräumt wurde. Mit einem Großaufgebot von 300 Polizisten gingen die Behörden gegen die Aktivisten vor. Es wurden Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Es soll auch zweimal zu Schüssen gekommen sein. Sogar Scharfschützen wurden für den Fall der Fälle postiert. Insgesamt wurden 117 Menschen festgenommen. Dennoch lieferten sich einige Demonstranten bis in die Nacht Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es sei zu keinem Gebrauch von Schusswaffen durch die Polizei gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Eine Frau wurde festgenommen, der nun das Abfeuern von drei Schüssen vorgeworfen wird.

 

Durch die letzten Ausschreitungen steht die Polizei noch mehr unter Kritik bezüglich ihrer brutalen Vorgehensweise gegen Minderheiten. Vertreter von Umweltschutzorganisationen sagen, die Beamten seien „sehr aggressiv“ vorgegangen. Zudem wird kritisiert, dass die angedrohten Klagen wegen Übergriffen gegen die Staatsgewalt, Beteiligung an Randalen und unbefugten Betretens von Privateigentum extrem seien. In den USA drohen den Angeklagten dadurch langjährige Haftstrafen. Auch Häuptling Dave Archambault II sagt, dass mit gewalt gegen unschuldige vorgegangen wurde. Die Beamten hätten hier nicht das erste Mal „unverhältnismäßig“ auf die Demonstranten reagiert.

 

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