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Juwelwespe

Wissenschaftsautorin Kathleen McAuliffe forscht auf dem Gebiet der Neuroparasitologie. Dabei werden Wirtstiere so beeinflusst, dass sie unter anderem Selbstmord begehen. Die mentale Versklavung von Wirtstieren zeigt wie grausam die Natur und die Evolution sein können, wenn es um das Überleben der eigenen Art geht. Einblicke in ein bizarres Forschungsfeld.

In ihrem Buch „This Is Your Brain on Parasites. How Tiny Creatures Manipulate Our Behavior and Shape Society“, erschienen im Verlag Houghton Mifflin Harcourt, gibt Kathleen McAuliffe Einblicke in ihr schauriges Forschungsfeld. Es gibt Parasiten, die ihren Wirt auf grausige Weise steuern und nutzen, um ihre Fortpflanzung zu gewährleisten. Nachfolgend einige besonders ungewöhnliche Mechanismen der Natur.

Die wundersame Verwandlung

Wenn die Sonne untergeht und der Abend hereinbricht sind Ameisen wenig geschäftig. Während der Ameisen-Staat zur Ruhe kommt beginnen einige eine bizarre Mission. Sie kehren nicht in ihren Bau zurück, sondern suchen sich einen geeigneten Halm für ihre nächtliche Mission. Ist der Halm gefunden, wird er bis zur Spitze erklommen und sich daran festgebissen. Die ganze Nacht über bleibt die Ameise mit diesem Beißkrampf an der Spitze des Halmes.

Verantwortlich für dieses Verhalten ist die Larve eines Saugwurms, der sich in den Ganglien der Ameise festsetzt. Die Ameise ist nur ein Wirtstier. Damit die Larve vollends heranreifen kann, braucht sie ein Weidetier wie Schaf oder Rind. Dadurch das die Larve die Ameise dazu zwingt sich an der Spitze eines Halmes festzubeißen, erhöht sie die Chance von einem Weidetier aufgenommen zu werden. Sobald jedoch die Sonne aufgeht und die ersten Strahlen auf die Ameise fallen, wird der Fluch aufgelöst, sofern sie und der Halm nicht gefressen wurden. Der Beißkrampf löst sich und die Ameise geht ihrer regulären Arbeit im Ameisenstaat nach – bis wieder die Sonne untergeht und die Nacht hereinbricht.

Vom Vogel in die Schnecke und zurück

Der Plattwurm Leucochloridium braucht genau wie im Beispiel davor zwei Wirtstiere. Der Plattwurm vermehrt sich im Verdauungstrakt von Vögeln. Die Wurmeier werden ausgeschieden und sind im Vogelkot. Schnecken, die sich von Vogelkot ernähren, nehmen die Eier auf. In den Schnecken schlüpfen die Larven und machen sich an die Arbeit. Sie manipulieren das Nervensystem der Schnecken und befallen die Fühler. Mit der Absonderung von Signalstoffen werden die Schnecken dazu getrieben besonders aktiv zu sein. Die Schnecken kriechen scheinbar sinnlos umher, sind auch tagaktiv und bevorzugen ungeschützte Ort. Das führt wiederum dazu, dass sie zur leichten Fressbeute für Vögel werden. Damit die Vögel zudem angelockt werden, verändern die Parasiten die Fühler der Schnecken. Die Fühler schwellen so sehr an, dass die Haut transparent und durchsichtig wird. Dadurch werden die farbigen und pulsierenden streifenähnlichen Parasitenlarven sichtbar. Diese sehen aus wie eine bevorzugte Speise vieler Vögel, nämlich Raupen.

Kühlung der Schmerzen

Das menschliche Gehirn scheint nicht so einfach von Parasiten zu manipulieren. Daher nutzt der Medinawurm eine andere Strategie, um seine Fortpflanzung zu gewährleisten. Sobald die Larven des Nematoden die Darmwand des Menschen durchdrungen haben suchen sie sich den Weg in Richtung Füße und nicht zum Gehirn. Hat das Fadenwurmweibchen ihr Ziel erreicht, sondert es eine Säure ab, welche zu schmerzhaft brennenden Blasen auf der Haut führt. Instinktiv verlangt es den Menschen nach Kühlung im Wasser. Kaum sind die Füße im Wasser, beginnt das bis zu einem Meter lange Fadenwurmweibchen mitunter hunderttausende Larven in das Wasser auszuspeien. Wird das Wasser von anderen Menschen getrunken, geht der Kreislauf von vorne los.

Die Suizid-Heuschrecken

In Südfrankreich kennen einige Besitzer von Swimmingpools oder Gartenteichen dieses Phänomen. Ganze Heerscharen stürzen sich scheinbar mutwillig ins Wasser, wo sie selbstredend ertrinken. Bei genauerer Beobachtung wird deutlich, dass aus den Heuschrecken bis zu 30 Zentimeter lange Saitenwürmer herauskommen. Die Saitenwürmer paaren sich im Wasser und legen ihre Eier in Mückenlarven ab. Ist die Mücke entwickelt und ihr kurzes Leben an Land lebt, ist sie das aktuelle Wirtstier. Stirbt die Mücke und wird von Heuschrecken gefressen, ist auch dieser Fortpflanzungszyklus wieder geschlossen. Noch ist ungeklärt, wie die Saitenwürmer die Heuschrecken dazu bringen sich selbstmörderisch ins Wasser zu stürzen. Erstaunlicherweise hat der Saitenwurm auch eine Reaktion auf die Fressfeinde der Heuschrecken. Kommt ein Fisch oder Frosch und will die Heuschrecke fressen, schafft es der Saitenwurm blitzschnell aus dem Maul des Frosches oder durch die Kiemen des Fisches zu entkommen.

Die leinenführige Kakerlake

Die Juwelwespe macht sich Kakerlaken zu hirnlosen Sklaven. Die Kakerlake ist etwa doppelt so groß wie die Wespe und leistet anfangs heftigen Widerstand beim Angriff durch die Wespe. Doch meist gelingt es der Wespe nach einem erbitterten Kampf die Schabe mit einem Stich zu lähmen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Juwelwespe zu einem Hirnchirurgen. Sie dringt mit ihrem Stachel in ganze bestimmte Areale des Schaben-Gehirns und injiziert dort ein Nervengift, welches der Kakerlake ihren Willen bzw. Teile der natürlichen Instinkte nimmt. Der Eingriff wird beendet, nachdem noch die Fühler der Kakerlake abgebissen sind.

Die Wespe kümmert sich nun um eine geeignete Bruthöhle. Die Kakerlake kann ruhig unbesorgt zurückgelassen werden, denn sie wird sich nicht von der Stelle rühren. Die Kakerlake ist jetzt so programmiert sich gründlich zu putzen, mitunter auch die Beine, wo die Wespe ihre Eier anheften wird. Ist die Bruthöhle gefunden, nimmt die Wespe die willenlose Kakerlake praktisch an die Leine und führt sie dahin. Das macht sie indem sie die Kakerlake mit den Antennenstümpfen steuert. Die gehorsame Schabe ergibt sich ihrem endgültigen Schicksal – die Brutstätte und das Futter wie die Nachkommen der Wespe zu werden.
Spinnen zum Nestbau zwingen.

Spinnen zu Architekten neuer Gebilde versklaven

Schlupfwespen nutzen Spinnen nicht nur als Futter, sondern missbrauchen sie zu Architekten und Bauarbeitern. Die Gattung Polysphincta legt ihre Eier auf den Hinterleib der Spinnen. Wenn die Larven schlüpfen, bohren sie Löcher in den Spinnenkörper und ernähren sich vom Saft. Nach rund einer Woche beginnen die Larven ein Gift in die Spinne zu pumpen, welches das Webverhalten der Spinne dramatisch verändert. So fangen etwa Radnetzspinnen an komplexe 3-D Bauwerke zu spinnen. Spinnen die normalerweise trichterförmige Netze bauen, versehen diese mit Ein- bzw. Ausgängen. Der Sinn und Zweck dieser durch die Wespenlarven erzwungenen Bauwerke ist Verpuppungsplätze für die Larven zu bauen. Ist alles erledigt wird die Spinne getötet und dient fortan als Nahrung. Sie wird komplett ausgesaugt und die tote Hülle anschliessen zu Boden fallen gelassen. Die Wespenlarve hat jetzt alles, um sich durch die Verpuppung zu einer Wespe entwickeln zu können - vollgefressen in ihrer neuen Behausung.